Das 1971 in St. Pölten abgehaltene Seminar war der Geige gewidmet, wobeidie Vielseitigkeit des Themas kaum auszuschöpfen war. Der Ertrag diesesSeminars liegt nun erfreulicherweise in diesem schönen Band vor, auf den hierwenigstens kurz hingewiesen werden soll. Walter Deutsch deutete einleitend,, Einige Probleme" der volkstümlichen Geigenmusik in Europa an, in den Ein-zelbeiträgen stellte sich heraus, daß es sich nicht um ganz Europa handelt, dawesentliche Gebiete im Westen( Frankreich) wie im Süden( Italien) und Süd-westen( Spanien, Portugal) völlig ausfallen.
Österreich war erfreulicherweise gut vertreten. Helga Thiel bemühtesich um„ Quellen und Nachrichten zur volkstümlichen Geigenmusik in Öster-reich", mit einem beachtlichen Ausblick auf die verschiedensten Gebiete undProbleme. Daß die historische Vertiefung, also beispielsweise die Verwertungliterarischer Zeugnisse, noch manches zu wünschen übrig läßt, kann einem sol-chen ersten Versuch nicht angekreidet werden. Der Referent hatte über dieVolksmusikinstrumente- Sammlung des Österreichischen Museums für Volks-kunde zu berichten, der Vortrag konnte hier nur im Auszug geboten werden.Franz Eibner meditierte ausführlich über„ Geigenmusik in Wien" von sei-nem ganz speziellen Standpunkt aus, und mit besonderer Berücksichtigung desWalzers als Geigenmusik. Ein einfacheres Gegenstück dazu bot Hermann Der-schmidt mit seinem Vortrag über„ Die Geige in der oberösterreichischenVolksmusik", also das Landlergeigen, worüber schon Ernst Hamza einstmalswichtiges zu sagen hatte. Karl Horak gab einen klaren Überblick über„ DieGeige als Volksmusikinstrument in Tirol", wobei auch der Rückgang der Geigeals führendes Melodieinstrument betont wird.
Von den näheren und engeren Nachbarn waren mehrere sehr prominentvertreten. So berichtete Jan Steszewski über das Geigenspiel in Polen,Dragoslav Dević über Gusle und Lirica in Jugoslavien, also eigentlichjenseits der Grenzen der eigentlichen Geigenmusik, Julian Strajnar dagegenüber die Geigenmusik in Slovenien. Balint Sarosi konnte überlegen dasSonderthema„ Geige und Zigeunermusik Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunermusik in Ungarn" behandeln, gewissermaßenein Kapitel seines umfassenden Buches über die Zigeunermusik Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunermusik von 1971. Daßim neugriechischen Bereich die Geige eine Rolle spielt, ist wenig bekannt. AberRudolf Brandl hat sich sehr kenntnisreich auf Grund eigener Aufzeichnungen( 1965-1969) hier über die„, Rolle der Violine in der Volksmusik des Dodekanes"geäußert. Vom äußersten Südosten nach dem Nordwesten: John A. Bruneberichtet über„ Geige und Geigenmusik in Großbritannien und Irland" undReidar Sevag behandelte das nicht unbekannte Kapitel„ Geige und Geigen-musik in Norwegen" ungemein kenntnisreich und anschaulich.
Obwohl man also nicht gerade ganz Europa in dem Band vertretenfinden wird, sollen doch die gebrachten Beiträge, so wie sie quer durch denErdteil gelagert erscheinen, herzlich bedankt und begrüßt sein. Daß Öster-reich dabei nicht schlecht abgeschnitten hat, daß es über die erfreulichgute Organisation dieses Seminars hinaus wichtige sachliche Beiträge bietenkonnte, sei doch noch eigens betont.Leopold Schmidt
Margarete Baur- Heinhold, Bemalte Fassaden. Geschichte, Vorbild,Technik, Erneuerung, Großoktav 164 Seiten, mit 261 einfarbigen und30 zum Teil doppelseitigen vierfarbigen Abbildungen. München 1975,Verlag Georg D. W. Callwey. DM 78,-.
Die bemalten Fassaden der bemörtelten Stein- oder Ziegelhäuser in Süd-deutschland, Westösterreich und der Schweiz sind der kunstwissenschaftlichenwie der volkskundlichen Forschung schon lange aufgefallen. Es gibt gar nichtwenig Literatur über die„ Lüftlmalerei", wie man sie seit einiger Zeit verallge-
291