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schen Sagengestalten an der kroatischen Adria- Küste" die bisherige Forschung.Nebenbei: Es muß sprachlich richtig wohl„ dämonisch" und nicht„ dämono-logisch", heißen, wie anderseits die Mythengestalten eben„ mythisch", und nichtetwa ,, mythologisch" wären. Es folgen kleine Monographien, die jeweils denStand der betreffenden Forschung markieren. So von Edith Marold einKapitel aus ihrer Dissertation über„ Die Gestalt des Schmiedes in der Volks-sage"; es muß dies mindestens schon die dritte Dissertation über dieses Themasein. Marianne Rumpf hat sich das alte vielerörterte Thema der„ Perchten-sagen” noch einmal vorgenommen, und so klar wie es eben bei diesen Über-lieferungen geht, das Wahrscheinliche vom nur Erwünschten, Erträumten, zuscheiden versucht. Ein Gegenstück scheint die Abhandlung von Alfons Roecküber„, Den Werwolf als dämonisches Wesen im Zusammenhang mit den Plage-geistern". Als flandrischer Beitrag ist dieser Vortrag besonders zu vermerken.Wayland D. Hand gibt dann als ein Ergebnis seiner Ausgabe der FrankC. Brown- Collection( Volksüberlieferungen aus Süd- Carolina), Witch Ridingan Other Demonic Assaults in American Folk Legend." Ebenfalls einer bestimm-ten Gestalt, an die sich sagenhafte Züge heften können, hat Tekla Dömötöreinen Vortrag gewidmet„ Die Hebamme als Hexe". Es ist schon erstaunlich,daß diesen hilfreichen Frauen immer so viele böse Züge nachgesagt wurden.Wenn man bedenkt, daß die hier verarbeiteten Aufzeichnungen alle in unserenJahrzehnten durchgeführt wurden, wird man wohl von der andernorts so eifrigzitierten ,, Aufklärung als gesunkenem Kulturgut" usw. recht wenig halten. Mehrder psychologischen Interpretation wieder zugewandt erscheint der Vortrag vonLeea Virtanen über„ Sagentraditionen bei Kindern", im wesentlichen inFinnland. Bei Erscheinungen wie einem„ vorsätzlichen Suchen nach Furchter-lebnissen"( S. 1974) wird man sicherlich die Kinderpsychologie mit heranziehenmüssen, da sind wir nicht ganz zuständig. Der gut fundierten Sagenforschungösterreichischer Tradition gehört der Vortrag von Karl Haiding„ WildleuteSagen in Österreich" an, wo alle die bekannten Motive wie Mahrtenehe,Herrin der Tiere usw. wiederkehren. Auf Haidings originale Aufzeichnungenaus dem Ennstal( S. 199 ff.) muß hier besonders hingewiesen werden. DieSchlußbeiträge behandeln Methodisches zur Sagen- Archivierung: Leena Koivubehandelt ,, Die Katalogisierung der dämonologischen Sagen im Volksdichtungs-archiv der Finnischen Literaturgesellschaft" und Lutz Röhrich gibt eine„ Einführung in das Freiburger Forschungsprojekt„ Dämonologische Sagen".Das Projekt ist nach der Einstellung der Fortführung des„ Handwörterbuchesder deutschen Sage" in Angriff genommen worden. Dem Bericht nach istoffenbar schon viel getan worden, Belegquellen der verschiedensten Art wurdenund werden aufgearbeitet. Der vorliegende Berichtband bezeugt, daß Mitarbeiterfür die Weiterführung des Unternehmens vorhanden sind. Man darf ihm alsoweiteres Gelingen wünschen.Leopold Schmidt
Walter Deutsch und Gerlinde Haid( Hg.), Die Geige in der euro-päischen Volksmusik. Bericht über das 1. Seminar für europäischeMusikethnologie St. Pölten 1971(= Schriften zur Volksmusik, Bd. 3)212 Seiten, 69 Notenbeispiele, 64 Abb. Wien 1975, Verlag A. Schendl.S 492,
Die Volksmusikforschung ist in den letzten Jahren wieder beachtlich ge-fördert worden. Es handelt sich dabei nicht zuletzt um die Erforschung dervolkstümlichen Musikinstrumente und ihrer Spielweise. Wichtige Beiträge wur-den und werden in den Seminaren geleistet, die Walter Deutsch von seinemInstitut in Wien aus veranstaltet, bei denen sich hervorragende Vertreter dieserSpezialdisziplin treffen und aussprechen.
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