Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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Chronik der Volkskunde

Das Wallfahrtsmuseum in Kleinmariazell

Das im Vorjahr( 1974) eröffnete Museum im Rest des Klostergebäudes vonMariazell im Wienerwald( Kleinmariazell) wurde in der Zwischen-zeit etwas ergänzt und erweitert. Es ist nunmehr auch der schlichte Kreuzgangin die Schausammlung miteinbezogen, und zwar sind dort Großfotos der wich-tigsten Bildstöcke angebracht, die an der Heiligen Straße" stehen. Diese Neu-gestaltung wurde durch den Herrn Landeshauptmann von NiederösterreichAndreas Maurer am 14. Juli 1975 feierlich eröffnet. Bei dieser Gelegenheitwurde auch der soeben erschienene Katalog des Museums vorgelegt:

Via sacra. Das Wallfahrtsmuseum in Kleinmariazell. Ausstellung undKatalog von Helene Grünn(= Veröffentlichungen des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde, Bd. XV) Wien 1975. 98 Seiten, 4 Farbtafeln, 24 Abb.auf Tafeln( S 60,-). Der Band enthält außer dem Katalog die drei Abhandlun-

gen:

Leopold Schmidt, Via sacra. Zur Geschichte der Heiligen

Straße" zwischen Wien und Mariazell.

Emil Schneeweis, Wegweiser zur Magna Mater Austriae. Denk-male der Volksfrömmigkeit an der Via sacra.

Rupert Feuchtmüller, Die Wallfahrt König Ferdinands V. vonUngarn nach Mariazell im Jahre 1833 in den Bildern von Eduard Gurk.

Norbert F. Riedl+

Schdt.

Am 26. März 1975 ist Dr. Norbert F. Riedl, Associate Professor für Anthro-pology an der Universität von Tennessee, im Alter von 45 Jahren gestorben. Derleidenschaftliche Autofahrer ist in seinem Wagen von einem Herzversagen ereiltworden.

Norbert F. Riedl, Sohn des großen burgenländischen Sammlers HofratAdalbert Riedl, hat in Wien studiert und 1953 mit seiner vorzüglichen Disserta-tion ,, Die burgenländischen Speicherbauten mit besonderer Berücksichtigung desKittings" sein Studium abgeschlossen. Er war dann einige Zeit an unserem inVorbereitung begriffenen Atlas der burgenländischen Volkskunde" tätig, und hatmit mir zusammen Die Johann R. Bünker- Sammlung zur Sachvolkskunde desmittleren Burgenlandes"(= Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland,H. 6, Eisenstadt 1955) herausgegeben. 1956 ging er mit seiner amerikanischenFrau in die Vereinigten Staaten und bemühte sich dort, Volkskunde im Rahmender verschiedenen Gesellschaften und an den Universitäten zu betreiben, andenen er mit der Zeit zum Associate Professor of Anthropology wurde. Dieletzten Jahre hindurch hat er mit viel Eifer an der Universität von Tennesseegelehrt. Die Volkskunde dieser Landschaft wurde sein besonderes Anliegen, wiezuletzt sein ,, Survey of Tennessee Folk Culture"( Knoxville 1965) beweist. SeineKollegen haben ihn sehr geschätzt. Das beweisen die Nachrufe von AmbroseManning und Ralph W. Hyde, die sie ihm im Tennessee Folklore SocietyBulletin"( Bd. XLI, Juni 1975, Nr. 2, S. 73) gewidmet haben. Was Hyde über ihn

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