doch noch in zum Teil recht frischer Erinnerung sind und man beiweiterer Nachfrage auch auf den einen oder anderen dieser Heil-methode noch Kundigen stößt. Die folgenden Berichte sind nach Tälerngegliedert, und zwar von West nach Ost.
I. Das LECHTAL zwischen Steeg und Reutte:
Sowohl für die Volkssagenforschung als auch für die Unter-suchung von Spruchheilverfahren erweist sich der Lech mit seinenSeitentälern als ein heute noch relativ fruchtbares Gebiet. Es wurden infolgenden Orten, von Reutte gen Südwesten hin zum oberen Lechvorstoẞend, Spruch- und Sympathieheiler gefunden:
1. Weissenbach bei Reutte:
Besucht wurde am 8. Juli 1974 die 1898 geborene Heilerin FrauAnna B., die als Blutstillerin aufgesucht wird, Essenzen gegen dasFieber herstellt und sich mit der Beseitigung des Überbeins beschäf-tigt. Der Heilspruch für letztgenannte Tätigkeit lautet:
Bein, Bein, Kogenbein
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Überbein!
vertreib mir mein
Dabei wird ein Apfel viergeteilt und in den Mist vergraben. Sinddie Teile des Apfels verrottet, sollte das Überbein vergangen sein. DerGroßvater der Informantin war beheimatet in Rettenberg im Allgäuund bezog seine Sympathiekenntnisse aus dem Buch, in dessen Titel,, Dr. Faust" vorkam. Es handelt sich möglicherweise um„, Dr. FaustsHöllenzwang" wenn keine Verwechslung mit dem im Allgäu häufigbenutzten„ Albertus Magnus-Buch" vorliegt. Über die alsBlutstillerin gleichfalls bekannte Mutter kam die Informantin an ihrWissen. Das Buch aber wurde ,, leider" wie sie heute meint ein-mal als lästiger Hausrat verbrannt. Ob sie ihre Kenntnisse einmal wei-tergeben wird, so die Informantin, hänge ganz davon ab, ob sie ein-mal krank werde später oder ob es„ schnell gehe" mit ihr. Warum siedas Buch ihres Großvaters weggeworfen habe, erkundigte ich mich.Frau B. dazu:
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,, Ja da hats geheißen, mein Schwiegersohn hat gesagt: Werft doch diealten Bücher weg, das ist lauter Schmäh und lauter Zuig. Hab ich mir denkt:es könnt nochmals was geschehen, wo's drauf ankommt und nachher finden siebei mir das Buch und schimpfen sie mir nach, und habs weggeworfen."
Zwei Blutstillungen sind Frau B. noch lebhaft in Erinnerung:a)„ Das ist mindestens 15 Jahr: Der(= Name) ist dann vom Wald heimund da haben sie ihn verbunden. Und daheim hats er wieder so'sBluten angefangen, und da sind sie zu mir kommen- da hats geholfen.Sofort... weil sie gewartet hent, die ham gedacht: es hört auf, es hörtauf aber es hat nicht( von allein) aufgehört. Der hat sichs beimHacken im Wald verletzt gehabt."
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