( Cornel Irimie, Corneliu Bucur u. a.): Museum der bäuerlichenTechnik/ Brukenthal museum- Sibiu. Sibiu 1974, 204 SEi-ten mit zahlr. Plänen, Zeichnungen und Photos. 1 Plan des Museums imAnhang.
Aus Sibiu( Hermannstadt) in Siebenbürgen( VR Rumänien) erreicht unsdieser vortreffliche Museumsführer. Im Rahmen eines ganzen Komplexes vonMuseen in Hermannstadt, der den altbewährten und klingenden Namen desBrukenthalmuseums weiterführt, wurde dieses„ Museum der bäuerlichen Tech-nik" bereits seit 1956 geplant und wissenschaftlich vorbereitet, seit 1964 auf-gebaut und 1967 anläßlich der 150- Jahr- Feier des Brukenthalmuseums eröffnet.Rumänien hat damit insgesamt fünf Freilichtmuseen aufzuweisen, vondenen das in Cluj( Klausenburg) seit seiner Wiedereröffnung Bauernhöfe undtechnische Denkmäler, das große„ Muzeul satului" in Bukarest( 1936 gegrün-det) vornehmlich Volksarchitektur, das Freilichtmuseum von Goleşti( Argeş)insbesondere Obst- und Weinbau zeigen. Das neue Hermannstädter Freilicht-museum hat sich auf einem Gelände von über 90 ha als eines der ersten dieserArt in Europa auf die ländlich- bäuerliche und gewerbliche Technologie spezia-lisiert, verfolgt also das Ziel, ein möglichst vollständiges Bild von der vor-industriellen Ergologie und Technik und ihrer Geschichte zu geben, und ver-anschaulicht dies durch Bauten, Betriebsanlagen, Werkstätten, Arbeitsmaschinenund-geräte sowie die entsprechenden Erzeugnisse. Es bezieht in seinen PlanJagd, Fischfang und Sammelwirtschaft ebenso mit ein wie die agrarische Pro-duktion( Hirtenwesen, Viehzucht, Ackerwirtschaft), demonstriert aber vor allemdie primären Verfahren bei der Aufbereitung und Verarbeitung von Holz,Stein, Metallen( Bergbau!), Ton, tierischen und pflanzlichen Fasern.
Einleitend befaßt sich Cornel Irimie, der rührige Direktor des Bruken-thalmuseums, mit dieser umfassenden Zielsetzung und ihrer Problematik. Erberührt ferner die museologischen Grundsätze und den bisherigen Verlauf beimAufbau dieses Museums, die Eigenstellung und Bedeutung der hier erfaßtenSachgüter, deren museale Darstellung zweifellos besonders delikat ist undmanche Schwierigkeiten mit sich bringt. Wenn er dies insbesondere unterBedachtnahme auf die rumänische Forschungsarbeit und mit dem Blick aufdie Besucher seines Landes tut, so eröffnet sich uns dabei ein äußerst inter-essanter Einblick sowohl in die Arbeits- und Sachwelt desselben wie auch eineindrucksvolles Bild von der geleisteten Forschungs- und Musealarbeit. DasMuseum zählt jetzt bereits 147 Objekte, und staunend stellt man fest, daßdiese von nicht weniger als sieben Fachmuseologen an der Seite des Direktorsbetreut werden.
Das Museum liegt in nächster Nähe von Hermannstadt im sogenannten,, Jungen Wald"( Dumbrava Sibiului) und erstreckt sich in einem gewässer-reichen Gelände von fast 5 km Länge. Es umfaßt vier große Abteilungen:Jagd, Fischfang, Viehzucht und Ackerbau; Transport und Verkehrsmittel( auchzu Wasser); die Verarbeitung von Holz, Metall, Stein und Ton( mit mehrerenBauerntöpfereien) sowie in einer eigenen Pavillonausstellung Spinnenund Weben mit allen dazugehörigen Arbeitsgängen und Verfahren.
Der soeben erschienene Katalog bietet dazu eine erste nähere Infor-mation mit kurzen, aber fachkundigen Beschreibungen der Einzelanlagen unterBeigabe von Photos und sehr hübschen Zeichnungen.
Beachtlich ist für uns das Vergleichsmaterial besonders an Kleinbauten,Hirten- und Sennhütten, Geräten, Pressen, Mühlen, Stampfen und Walken,Werksanlagen u. dgl. Von der„ Lijanca", dem Lehmofen mit Liegebank derFischer im Donaudelta, reicht das über die Sennhütten mit Schafpferch inden Ostkarpaten bis zu den Tuchwalken Siebenbürgens. Vielleicht sollte man
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