Höritz im Böhmerwald durch das selber schon früh dem geistlichen Volks-schauspiel verbundene ostbayrische Freyung. Man erfährt manches über dieSchwierigkeiten eines„ Kuratoriums für die Wiederbelebung der HöritzerPassionsspiele in Freyung"( seit Ende 1971), da es sich beim„ Spiel vom ReicheGottes", ja notgedrungen eher um eine Innovation auf tradierten Rudimentenwird handeln müssen. Hier zeichnet Erich Hans in seiner Interpretation vonPersonen und Geschehen um Ex- voto- Ursprung und tragische Frühgeschichtevon„, Amselberg”(= Höritz) bei H. Watzlik die Schlüsseldarstellung derNovelle in der Rückschau auf den Spielleiter J. J. Amman aus Tirol undseine Aufführungen von 1893/94 auf der Grundlage des Höritzer Textes vonPaul Gröll hesl samt den recht unerquicklichen Auseinandersetzungen desnachmals verbittert abwandernden Amman wegen der Textumgestaltungdurch den Nikolsburger Propst Landsteiner und die ab 1895 erneuertenAufführungen unter dem Spielleiter Ludwig Deutsch nach. Auch die nichtganz durchsichtige Rolle des Deutschen Böhmerwaldbundes( der die Rest-auflage des Amman- Textes einstampfen hatte lassen) klingt an. Man wird dieseVorkommnisse um Spiel- ,, Dichter" und Spielleiter, die ja unter anderen Vor-aussetzungen anderswo ihre Parallelen hatten( vgl. L. Kretzenbacher,Sylvester Wietinger/ Metnitz und die Krise des Kärntner Volksschauspiels zuBeginn des 20. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Volkskunde Kärntens. Festgabefür Oskar Moser, Klagenfurt 1974, S. 97-117) und noch haben( Ober-ammergau 1970 und die„ Folgen"!), einmal breiter untersuchen müssen. Zu-mal auch die Widerspiegelung in der( Hoch- bzw. Individual-) Dichtung beiMax Mell wie bei Hans Watzlik und vielen anderen( vgl. etwa dasGedicht ,, Budweiser Weihnacht" von Karl Franz Leppa auf den BudweiserVolksschauspieldichter der„ Comedi von der freudenreichen geburt JesuChristi" Benedikt Edelbeck[ Edelpöck] von 1586 im SammelbändchenBöhmerwälder Lyrik„ Des Waldes Widerhall", hrgs. v. Heimatverband derBöhmerwälder, Stuttgart o. J.[ um 1973], S. 26 f.). Freilich sollte im Vorspannzur Neuausgabe der Watzlik- Novelle nicht stehen( S. 5):„ Im Jahre 1682wurden die Texte solcher Spiele von dem Kapuzinerpater Marin Cochem zu-sammengefaßt. Er gab seinem Werk den Namen„ Das große Leiden Christi"."Es handelt sich um das weitausgreifende, breit und langnachwirkende Er-bauungsbuch„ Das Große Leben Jesu" und nicht um eine Spieltextsammlung.Das hatte uns eben jener verdienstvolle J. J. Amman bereits wohltuendklar dargetan( ,, Das Leben Jesu von P. Martinus von Cochem als Quellegeistlicher Volksschauspiele." Zs. d. Ver. f. Volkskunde III, Berlin 1893,S. 208 ff., 300 ff.). Man kann es derzeit bequem samt der Fachliteratur zumweitverzweigten Traditionserbe im Bayerischen Wald und im Böhmerwaldnachlesen im Handbuch von Leopold Schmidt, Das deutsche Volksschau-spiel. Berlin 1962, S. 287 ff., 433 ff.Leopold Kretzenbacher
L. Brandts Buys, De landelijke bouwkunst in HollandsNoorderkwartier. Stichting Historisch Boerderij- onderzoekArnhem 1974, 593 Seiten, 670 Abbildungen, Pläne und Zeichnungen,IV Karten, z. T. als Beilagen.
In verschiedenen Ländern Europas erscheinen neuerdings umfassende undnach modernsten Gesichtspunkten gearbeitete Dokumentationswerke über dasBauernhaus. Das ist sicher kein Zufall angesichts der einschneidenden Ver-änderungen und Substanzverluste in allen Bereich unseres Kontinents. Um soschmerzlicher tritt einem dabei das Fehlen einer derartigen Unternehmungfür Österreich vor Augen, jenem Kernraum Zentraleuropas, wo man dafüreigentlich aus den verschiedensten Gründen am meisten Verständnis und eine
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