Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

sein Werk sinnvoll fortzusetzen. Die vorliegenden acht Vorträge schließendenn auch an den hier an erster Stelle veröffentlichten Vortrag von Eis Alt-deutsche Fachschriften als Urkunden des zivilisatorischen Fortschritts" an. Ausden weiteren Vorträgen sind für uns vor allem zwei herauszuheben, nämlichder von Peter Assion Fachprosaforschung und Volkskunde" und jenervon Wolfgang Schmitt Zur Literatur der Geheimwissenschaften im spätenMittelalter". Assion führt vor allem jene Gedanken weiter, die man als,, Wesselski- Richtung" in der Volkserzählforschung bezeichnen kann, mit Be-tonung des Einflusses schriftlicher Medien für die Tradierung. Das heißt, dasPendel schwingt zur Zeit stark nach dieser Richtung aus, wogegen es frühergenau in die andere Richtung, nämlich jene der Überschätzung der reinen,, oral tradition" schwang. Angesichts der Fülle von schriftlichen Hinweisen ge-rade auf den Gebieten des Volksglaubens, der Volksmedizin, ist es nicht un-verständlich, daß Assion hier noch nachstößt. Aber direkt verallgemeinernwird man all dies auch nicht dürfen.

Der gut gearbeitete Band, mit Sachregister und Wörterverzeichnis ver-sehen, bedeutet sicherlich auch für die volkskundliche Seite dieser Forschungeneinen Fortschritt.Leopold Schmidt

Frankfurter Wörterbuch, auf Grund des von Johann Joseph Oppel undHans Ludwig Rauh gesammelten Materials herausgegeben im Auftragder Frankfurter Historischen Kommission in Verbindung mit dem Institutfür Volkskunde der Johann- Wolfgang- Goethe- Universität Frankfurt amMain von Wolfgang Brückner. 4. Lieferung( Evangelium bis Ge-dibber), bearbeitet von Rosemarie Schanze. S. 625-816. Frankfurtam Main 1975, Verlag Waldemar Kramer.

Evangelium" ist gutbekannt, Gedibber dagegen gar nicht, und sofreut man sich, diesen und so manchen anderen Frankfurter Mundartausdruckhier nachschlagen zu können. Das Wörterbuch schreitet zügig vorwärts, istnunmehr schon beim G" angelangt, die vorliegende Lieferung umfaßt dasganze F", und man wird hier in sehr vielen Artikeln Volkskundliches, vorallem Sprichwörter und Redensarten vorfinden. Besonders ergiebig erscheinendie Artikel Fastnacht, Fett, Feuer, Fichtenkranz( das Zeichen der Äpfelwein-wirtschaften), Fieze( ein Gebäck), Finger, Fisch, Fischerstechen, Floh, Franse,Freihochzeit, Fressen, Früh, Fuchs( mit fuchsen, fuchsig, fuchsteufelswild,Fuchsschwänzer), Fuld( für den Teufel), fünf und Fuß. Vom G" kommen hiernoch Gans, Gassaten, Geben( mit Gebenhausen) in Betracht.

Die Artikel enthalten jeweils das ganze Belegmaterial und knappe Er-läuterungen, die manchmal vielleicht sogar zu kurz geraten sind. Auch möchteman sich wünschen, daß bei Sachangaben( etwa Redensarten, Brauchreimenusw.) auf die engste Fachliteratur verwiesen würde. So wäre bei den Fast-nachtversen( Hawele hawel ane) doch wohl auf Hinrich Siuts, Die An-singelieder zu den Kalenderfesten( Göttingen 1968), S. 37 und 233, Nr. 103 zuverweisen gewesen. Man sollte doch etwas deutlicher merken, daß das schöneWerk an einem Institut für Volkskunde bearbeitet wird.

Leopold Schmidt

Hans Watzlik, Das Ölbergspiel. Novelle. Mit einer Einführung und mit Be-trachtungen zum entstehenden Freyunger Spiel von Erich Hans. Gra-fenau, Verlag Morsak, 1972. Geb. 53 Seiten, 6 Abb.

Die Neuausgabe der Watzlik- Novelle aus dem Sammelbändchen DieEinöder", Reichenberg i. B. 1922, gilt der geistigen Vorbereitung auf die seitJahren geplante Traditionsübernahme der untergegangenen Passionsspiele von

209