Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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steht dann noch in dem zusammenfassenden Beitrag von Loys Auffanger,Die Bevölkerung in Stadt und Land, wobei der schon von Lipp erwähnte,, Volkscharakter" auch wieder genauer beschrieben wird. Abfällige Urteile, diesich bei der Betrachtung des Innviertler Volkscharakters offenbar nicht seltenergeben, werden heimatliebend zurückgewiesen.

So ergibt sich der Gesamteindruck, daß hier mit viel gutem Willen undgroßer Heimatverbundenheit ein Werk geschaffen wurde, das gewissermaßennicht ganz fertig, nicht ganz durchdacht, nicht ganz richtig komponiert er-scheint. Man muß sich an die einzelnen Beiträge halten. Leopold SchmidtAnni Gamerith, Bäuerliche Sachkultur in Bezirk und MuseumFeldbach. 1. Teil: Acker und Frucht(= Blätter für Heimatgeschichtedes Bezirkes Feldbach, Heft 3/4), 56 Seiten, mit Zeichnungen von MariaLeiner. Feldbach 1974.

Von der Bezirkshauptmannschaft Feldbach und dem Steirischen Volks-bildungswerk im Bezirk Feldbach wird dieses Heft herausgegeben, das einewillkommene Bereichung unserer Kenntnisse über die alten bäuerlichen Arbeits-geräte im Südosten der Steiermark darstellt. Nach einem Vorwort von HannsKoren und einem weiteren von Bezirkshauptmann Othmar Dinacherfolgt zunächst eine Überschau über die Landschaft, ihr Gerät, ihr Museum,das Frau Leopoldine Thaller in den Jahren nach dem Zweiten Weltkriegim alten Tabor von Feldbach aufgebaut hat. Ein Katalog dieser guten, auchschön aufgestellten Sammlung war längst erwünscht. Nun hat Anni Gamerithals bedeutende Spezialistin auf diesem Gebiet es unternommen, die Geräte derbäuerlichen Arbeit vom Pflug bis zum Ackerwagen und vom Säekorb biszur Ölpresse zu schildern, zum Teil mit ausführlicher Arbeitsbeschreibung, sobeim Bifangbau. Auf diese Weise ist kein eigentlicher Katalog, sondern einenach Gegenständen fortschreitende Beschreibung entstanden, die erst durch dievorzüglichen Zeichnungen von Maria Leiner stärker katalogartig gegliedert er-scheint. Ob die sachlichen und sprachlichen Hinweise, die kulturhistorisch ge-meint sind, in allen Fällen stichhaltig sind, müßte wohl noch überprüft werden.Ob man etwa im Feldbacher Bezirk die Kartoffeln als Kestn" bezeichnethat( S. 29), womit doch normalerweise Kastanien gemeint sind, ist fraglich.Für manche Geräte, beispielsweise die Greißmühle" und die Obstquetschehat Frau Gamerith bereits in unserer Zeitschrift( 1956, 1966) ausführlicheBeschreibungen gegeben. Vielleicht konnte man erwarten, daß dieser Katalogpräziser auf die einzelnen Objekte des Museums eingestellt wäre, und daß diesedementsprechend mit verwandten, Gerätekatalogen in benachbarten Landschaf-ten verglichen würden. So wäre die Heranziehung der sehr gründlichen Arbeitvon Károly Gaál Zum bäuerlichen Gerätebestand im 19. und 20. Jahr-hundert( Österreichische Akademie der Wissenschaften, Sitzungsberichte derPhil.- Hist. Klasse Bd. 261, 1. Abh., Wien 1969), die sich auf den BezirkOberwart im Burgenland bezieht, doch sehr nützlich gewesen. Für die genaubeschriebenen Gestellsensen hätte man den Hinweis auf die vorzüglichen Ver-breitungskarten von Franz Grieshofer im Österreichischen Volkskunde-atlas erwartet.

Aber aus dem Nachwort ergibt sich, eigentlich zu unserer Bestürzung,daß dieses Heft bereits 1967 also noch vor dem Erscheinen der Arbeitvon Gaál- fertig war, 1968 sogar schon gedruckt gewesen sein muß, undaus unerforschlichen Gründen einfach nicht fertiggestellt und ausgeliefert wurde.Das wird man angesichts der anregenden, persönlich geformten Arbeit unddes in ihr dargebotenen Materials wirklich nur lebhaft bedauern können. Aberjetzt ist das Katalog- Heft doch endlich da, und soll daher auch nunmehrnoch herzlich begrüßt werden.Leopold Schmidt

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