Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
201
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Das Literaturverzeichnis, wohl knapp gehalten, ist dennoch gut, undauch aufschlußreich: Bezieht es sich doch hauptsächlich auf Literatur, dieauch für den Benützer noch zu erreichen ist. Man weiß, daß unsere ältereLiteratur buchhändlerisch bereits sehr versunken ist.

Ein Buch, das zu den Möbeln auch Melkschemel, Schlitten, Uhren usw.einbezieht, Melkeimer, Löffelreme usw. auch noch als geschnitztes und be-maltes Holz zu erfassen versucht, bietet zweifellos viele Anregungen, aberwohl auch so manchen Ansatzpunkt zur Kritik. Nicht zuletzt dort, wo es umden ,, Hersteller des volkstümlichen Schnitzereimöbels" geht, der sich mit zweiSeiten bescheiden muß. Nicht, daß man so viel über ihn wüßte: Aber dievöllige Verschiedenheit des laienhaften Löffelremherstellers im Salzkammer-gut vom Tischler- Maler, der die kunstvollen Stubenmöbel in Salzburg her-stellte( und das ließe sich landschaftlich vielmals variieren) ist doch immerernsthaft zu bedenken. Vielleicht auch im Hinblick auf den Zug zu einerLaienkunst, die in unseren Jahren der Freizeitgestaltung" ganz eigene Pro-bleme aufwirft.

Aber man wird bei einem so schönen und überlegten Bildband doch inerster Linie froh sein, daß es ihn überhaupt gibt, und Verfasserin und Verlagzu der dritten Tafel in diesem Triptychon beglückwünschen.

Leopold SchmidtLeopold Schmidt, Volkstümlich geformtes, bemaltes, ge-schliffenes Glas. Katalog der Ausstellung im SchloßmuseumGobelsburg 1975. Wien, Selbstverlag des Österreichischen Museums fürVolkskunde, 1975; brosch. 81 Seiten, dazu XVI farbige und 32 ganz-seitige schwarzweiße Bildtafeln auf Kunstdruckpapier. S 35,-.

Mehr als fünf Wochen vor der offiziellen Eröffnung dieser neuen Son-derschau im Schloß Gobelsburg, der Außenstelle des Österreichischen Mu-seums für Volkskunde in Wien, am 23. Mai 1975, lag dieser sorgfältig er-stellte, aufwendig reich auch mit erlesenen Farbtafeln bebilderte Katalog schonvor. Er erfaßt 200 Objekte, die dem reichen Bestand des Mutterhauses anGläsern vom 17. bis ins 20. Jahrhundert entnommen sind. Ein Zeichen mehr,wie sehr das ÖMV ein Lebendiges ist, ein sich unablässig Wandelndes undWachsendes, von dem selber wieder so viele segensreiche Anstöße zu Wandelund Wachstum ausgehen, auch im Musealen zu zeigen, wie die Vergangenheitmit ihrem gerade in Österreich so mächtigem Kulturerbe in unsere Gegenwartherein wirkt und wie sie imstande wäre und es an guten Beispielen auchist, unsere kulturelle Gegenwart mit lebendiger Kraft in der uns zustehendenEigenart zu prägen. Dies auch im formenvielfältigen und farbenbunten Werk-stoff Glas, dem bei uns traditionellen heimischen Kleinkunstbesitz an Flaschen,Bechern und Krügen, an Glasleuchten und Weihwasserbehältern, an gläsernenBarometern, zierlichen Tischfäßchen und mancherlei Scherzgefäßen. Eine rechteErgänzung zu den schon in Gobelsberg ständig gezeigten Sammlungen vonMöbeln und Majolika( vgl. den dortigen Majolika- Katalog, der schon 1968 inWien in 2. Auflage erscheinen konnte).

Jedem Einzelstück sind im Katalog Beschreibung, Maße und Inventar-nummer beigegeben, dazu die( im Verhältnis noch seltener als beim Möbelgegebene) Datierung sowie Herkunftsangaben oder-vermutungen. Oft findensich spezielle Vermerke von Studien und Einzelhinweise noch außerhalb desallgemeinen Literaturverzeichnisses.

Man freut sich auf die Ausstellung und ihr so vielfältiges, motiven-reiches Glasdekor. Den ansprechend gestalteten Katalog reiht man als Blei-bendes zur so erfreulich wachsenden Serie seiner Vorgänger aus dem gleichenHause, aus gleichem wissenschaftlichen Eifer, musealem Fleiß und Geschick.Leopold Kretzenbacher

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