Literatur der Volkskunde
Gislind M. Ritz, Alte geschnitzte Bauernmöbel. AufnahmenHelga Schmidt- Glassner. Großformat, 204 Seiten, XVIII Farb-tafeln, 314 Abbildungen, Zeichnungen im Text. München 1974, VerlagGeorg D. W. Callwey.
Gislind M. Ritz schließt mit diesem dritten Band ihr gewaltiges Quer-schnittwerk über das alte bäuerliche Möbel ab. Der erste Band, eine Neu-bearbeitung der schon von Josef M. Ritz bearbeiteten„ Bemalten Bauern-möbel" bezog sich auf das deutsche Sprachgebiet. Der zweite Band war ver-gleichend eingestellt:„ Alte bemalte Bauernmöbel Europa." Da waren also
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die geschnitzten Möbel ausgeschlossen, wie dies den Intentionen von J. M. Ritzwie von Konrad Hahm entsprach. Die Museen hatten dagegen immer ge-schnitzte neben bemalte Möbel gestellt, und allgemeine Bände über„ Bauern-möbel" wie schon jener von Rudolf Uebe, dann der von mir und jener vonBernward Deneke berücksichtigten demgemäß beide Formengruppen. Dieserdritte Band war also eine notwendige Folge, wenn man das Gebiet in einergroßen Übersicht einmal ganz ausdecken wollte.
Dieser Vorsatz ist dem vorliegenden schönen Band auch durchaus ge-lungen. Nach einer kurzen Überschau über die„ Historisch- soziale Schichtungdes volkstümlichen Möbels" werden zunächst die„ Formen der Holzbehand-lung" geschildert, also Schnitzen, Auflegen, Einlegen usw. Dann folgt einÜberblick über„ Geschichte- Erscheinung Verbreitung", der die historischeAbfolge dieser Techniken darzustellen unternimmt. Und dann ergeben sich diegroßlandschaftlichen Einzelkapitel: Norddeutschland bis Westfalen, Mittel- undSüddeutschland von Hessen bis Oberbayern, womit knapp an die„, Alpen-länder" herangeführt wird, unter welchem Obertitel die Schweiz und Öster-reich zusammengefaßt werden. Exkurse führen jeweils an passender Stellenach Dänemark und Schweden, nach Norwegen, in die Niederlande, nachFrankreich, nach Italien und nach Ungarn und Siebenbürgen. Das könnenbegreiflicherweise nur kurze Hinweise sein, die wichtige Gruppen wie bei-spielsweise die Möbel von Sardinien gewiß noch nicht so hervortreten lassen,wie sie es verdienen würden.
Aber die gebotene Kürze hat immerhin doch erlaubt, Sonderzüge derGestaltung in knappen Darstellungen herauszuheben: So etwa den Sechsstern;die Wirbelrosette oder das Wirbelrad; Knoten oder Schlange etwa bei denBrettstühlen mit Schlangenlehne); der„ Strauß in der Vase", wie hier dersonst so gern behandelte„ Lebenssproẞ" bezeichnet wird; die paarigen Tiere,die Rosette( die man sich eventuell weiter vorn schon behandelt gewünschthätte), dann Arabeske und Beschlagwerk, Akanthus und Rocaille, Doppel-adler( der wohl auch schon früher und mit anderen Wappendarstellungenzusammen dargestellt hätte werden können), und die Sammelgruppe„ Blumen,Früchte, Tiere". Das sind verständliche Versuche, das riesige Gebiet der Mo-tive wenigstens mit Hinweisen zu erschließen. Hinweisen, hinter denen, wieman aus der Geschichte der Volkskunstforschung weiß, mitunter sehr umfang-reiche Studien wie etwa jene von Karl von Spieß stehen. Daß sein Name inden Literaturangaben zu den„ Ornamenten" fehlt, ist bedauerlich.
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