Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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Eine bemerkenswerte Gruppe

von niederösterreichischen Bäckerkreuzen

Von Walter Berger

Unter den zahlreichen und vielgestaltigen Kultmalen( ,, Bild-stöcken") unserer österreichischen Länder bildet die Gruppe der,, Bäckerkreuze" eine besonders reizvolle Sippe. Ich habe an andererStelle ¹) schon gezeigt, daß die Bäckermeister und vor allem die Bäcker-zünfte in vergangenen Zeiten, aber auch bis in die Gegenwart hin-ein, auf dem Gebiet der dekorativen Wappenkunst besonders eifrigtätig waren. Dies führte unter anderem eben auch dazu, daß dieBäcker besonders gern und oft eigene Kultmale errichtet und diesemit den Symbolen ihrer Zunft in mehr oder weniger heraldisch aus-geführter Form gekennzeichnet und verziert haben. Es handelt sichdabei vor allem um Brezeln, seltener um Wecken und Doppelsemmelnoder auch andere Gebäcksformen.

In der Regel finden wir diese Gebilde im steinernen Teil derKultmale, also am Schaft oder am Tabernakel, sei es bloẞ in verein-fachten Linien eingeritzt oder aber halbplastisch herausgearbeitet unddann nicht selten in Wappenschildchen gesetzt. Hier soll aber nundie Rede von einer anderen auffälligen Gruppe sein, die auf denRaum zwischen Neulengbach und Tulln westlich von Wien beschränktzu sein scheint, und bei der die Bäckersymbole im Bereich derschmiedeeisernen Bekrönung des Kultmales auftreten. Wir konntenbis jetzt fünf derartige Exemplare ausfindig machen.

Am einfachsten ist diese Schmiedeeisenbekrönung bei dem,, Bäckerkreuz, das westlich von Michelndorf an der Bundes-straße 1 steht( Fig. A und B; die Figur B ist im Verhältnis zu C, Dund E wesentlich weniger verkleinert). Dieses Kultmal ist auch durchseine Gesamtform bemerkenswert: ein drehrunder, nach oben sichetwas verjüngender und in der Mitte leicht abgestufter säulenförmigerSchaft trägt einen quadratisch- prismatischen Aufbau aus einfachemGesimse, Tabernakel und Pyramidendach. Aus der Spitze dieses Da-ches nun ragt ein ziemlich langer eiserner Stiel, der an seinem Endeeine zierliche, auf ihrem aufwärts gewendeten spitzigen Rücken mit

1) W. Berger, Das Brot im Wappen.( Jahrbuch der heraldisch- genealogi-schen Gesellschaft Adler" III/ 7, Wien 1970, S. 736.)

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