Aus der Geschichte des Volksgesangesim niederösterreichischen Weinviertel
Von Leopold Schmidt
Vor uns ¹) liegt das erste Heft ,, 30 Volkslieder aus Niederöster-reich", das Raimund Zoder und Karl Magnus Klier vor nunmehrschon zweiundvierzig Jahren herausgegeben haben. Damals, als KarlLugmayer Volksbildungsreferent für Niederösterreich geworden warund dem Volksliedarchiv für Niederösterreich und Wien und damitRaimund Zoder Unterkunft in seiner Kanzlei in der Herrengasse ge-boten hatte. Er hat auch das Vorwort zu jenem Heft geschrieben, dasam Beginn einer langen Reihe ähnlicher Veröffentlichungen in all denJahren danach steht.
Schlägt man das Heft auf, prüft man das erste Lied, das Zoderund Klier hier veröffentlicht haben, dann findet man das schöneballadeske Lied
In Österreich steht ein schönes Schloß,
von Edelstein gehauen,
darinnen wohnt ein junger Graf,
voll Schönheit anzuschauen.
Eine Spielform der berühmten Ballade vom„ Schloß in Öster-reich". Die Fassung hat Franz Reingruber eben damals, 1932, auf-gezeichnet, und zwar in Groß- Rußbach²).
Schlägt man in der nur ein Jahr vorher erschienenen„ Biblio-graphie des weltlichen Volksliedes" von Dominik Hummel nach, dannwird man unter Nr. 29 verschiedene Fassungen der Ballade finden,eine aus Bisamberg, die schon 1921 veröffentlicht wurde, eine weitereaus Goggendorf bei Hollabrunn, um bei den Aufzeichnungen ausdem Weinviertel zu bleiben ³). Die Fassung aus Groß- Rußbach hatHummel noch nicht verzeichnen können, sie war knapp vor der Ent-stehung des Heftes eben erst dem Volksliedarchiv übergeben worden.
1) Vortrag, gehalten bei der Tagung, Volksmusikforschung im nieder-österreichischen Weinviertel" in Groß- Rußbach am 12. VI. 1974.
2) Raimund Zoder und Karl M. Klier, Volkslieder aus Niederöster-reich.( 1. Heft.) Wien 1932. Nr. 1.
3) Dominik Hummel, Bibliographie des weltlichen Volksliedes inNiederösterreich.( Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, Bd. XXVI,Wien 1931, Nr. 29.)
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