Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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an sich so wichtige Erscheinungen haben eben mit Geschichte und speziellerGestaltung der Krippen im Innviertel gar nichts zu tun. Aus nicht namhaft ge-machter Literatur übernimmt Ulm auch Mitteilungen wie 1306 werden inOberösterreich erstmals Sternsinger bezeugt"( S. 169), und man fragt sichwirklich, wo das sein mag. Die ersten Sternsinger sind in Oberösterreich frühe-stens zweihundert Jahre nach dem genannten Jahr aufgetreten. Außerdem hatauch das mit den Krippen nichts zu tun, und vermag nur Unkundige zuverwirren.

So läßt das schöne Buch doch deutlich Wünsche offen, und man bedauert,daß der Verlag offenbar etwas unbedenklich, ohne Befragung eigentlicher Fach-leute, wieder eine seiner Rosenheimer Raritäten" präsentieren wollte.

Leopold Schmidt

Hanns Koren, Viktor von Geramb, Ein Lebensbild.(= Zeitschrift desHistorischen Vereines für Steiermark, Sonderband 5) Graz 1974, Selbst-verlag des Historischen Vereines für Steiermark. 84 Seiten, mit 7 Abb.Der Haupt- Schüler und Nachfolger Gerambs auf dem Grazer Lehrstuhl hateine knappe, eindringliche, liebevolle Biographie des bedeutenden Vertreters derVolkskunde in Steiermark geschrieben. Er geht, wie ganz selbstverständlich fürihn, vom Erlebnis der Persönlichkeit" aus, zeichnet weiters den LebenswegGerambs nach, wie ihn dieser auch in seiner Selbstbiographie geschildert hat,umreißt dann das Wissenschaftliche Lebenswerk", bietet ferner Kleine Er-innerungen" sehr persönlicher Natur und druckt schließlich den am GrabGerambs gehaltenen Nachruf ab. Dieser lebendig geschriebenen Biographie folgteine Auswahl aus den kleineren Schriften Gerambs, nämlich seine wichtigefrühe Arbeit Peter Roseggers Bedeutung für die Volkskunde", ferner die Auf-zeichnungserinnerung Zur Entstehung von Volksliedern", und weiters der Vor-trag bei den Salzburger Hochschulwochen von 1936 Volkskundliche Grund-fragen". Die Veröffentlichung wird durch das ausführliche ,, Verzeichnis der Ver-öffentlichungen" Gerambs abgeschlossen, das Maria Kundegraber erstellt

hat.

Für die Schüler und Freunde Gerambs also eine willkommene Gabe. Fürdie Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde in Österreich zumindest eine ge-wisse Grundlage, um Persönlichkeit und Verhältnisse in der ersten Hälfte die-ses Jahrhunderts zu verstehen. Daß von außen her, also etwa von Wien aus,manche Akzente anders zu setzen, manche Gesichtspunkte anders zu formulie-ren wären, versteht sich fast von selbst. Daß Geramb von Jugend auf vonseinen Arbeiten sehr überzeugt war, und daß er sich mit eventuellen Kritikernhart herumschlug, kommt hier beispielsweise nicht zum Ausdruck. Aber manmuß die Kritik des Altmeisters Anton Dachlers an Gerambs frühen Ver-öffentlichungen lesen( diese Zeitschrift XIV, 1908, S. 216-228) und GerambsAntikritik darauf, unter dem Titel Eine Betrachtung der ostalpinen Bauern-haustypen nach den Grundrissen der Wohnraumanlage"( diese Zeitschrift XV,XV, 1909, S. 140-144), um so manche Ereignisse der Folgezeit richtig zu ver-stehen. Vor allem die Reaktion auf die 1924 veröffentlichte Kulturgeschichte derRauchstube", welche Arthur Haberland ts ungemein kenntnisreiche,, Kritische Betrachtung"( diese Zeitschrift XXIX, 1924, S. 81-87) zur Folgehatte. War Dachler vielleicht in seiner Kritik dem damaligen Anfänger gegen-über etwas herablassend gewesen, so bemühte sich Arthur Haberlandt durchausum einen sehr höflichen Ton. Geramb hat ihm diese Besprechung dennoch nieverziehen, und zwei Jahre später in seiner Rezension des Haberlandt- Europa-Bandes von Buschans Völkerkunde"( diese Zeitschrift XXXI, 1926) zumindestauf Einzelheiten recht kritisch reagiert. Was sich in solchen kurzen Beiträgen

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