Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
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schiedensten Zusammenhängen erfaßt sind und daß man, zwischen den Zeilendes Vorwortes lesend, noch so manches( und nicht ,, nur" für NiederösterreichsVolkskunde!) erhoffen darf. Dann wird man dieses Register" dankbar zu denfarbschön gebundenen zwei Großbänden als schlicht- grauen, aber verläßlichgetreuen Helfer stellen und immer zur Hand haben.

Leopold Kretzenbacher

Karl Löbl, Österreich. Ein Porträt in Farben. Text und Bild-legenden von Erich Landgrebe. 216 Seiten. München 1974, Süd-deutscher Verlag.

Ein großer schöner Bildband, mit ausgesucht guten Farbphotos von RobertLöbl, der schon über so manches österreichische Bundesland einen eigenenBildband herausgebracht hat. Die in glühenden Farben photographierten Land-schaften und Bauten wirken ein bißchen theatralisch vorgetragen, Österreich istin Wirklichkeit viel schlichter. Aber das verkauft sich bekanntlich nicht so gut.Für uns kommen in dem Band nur wenige Tafeln in Betracht, so etwa dieBilder vom Eisenstädter Kalvarienberg, von den Stiegenlaubenhäusern in Mör-bisch, leider auch von einer Tamburizza- Kapelle. Für Niederösterreich kommthöchstens die Weinlese in Weißenkirchen in Frage, eines der wenigen Bilder,auf denen überhaupt Menschen vorkommen. Löbl photographiert sonst dochlieber menschenleere Landschaften. Für Oberösterreich kommt der Fischerauf dem Mondsee in Betracht, für Kärnten ein alter Bildstock. Eine buntbemalte Hausfront mit dem hl. Florian grüßt von Walchsee.

Den Text auf unsere Anliegen zu befragen ist ziemlich nutzlos. Ein frischgeschriebener Reisejournalistentext, mit manchen Kenntnissen gut angereichert,stark auf die unmittelbare Gegenwart bezogen, daher voll Schimpf gegenmoderne Bauten in alten Bauernhauslandschaften,_ das hat zweifellos eingewisses Niveau, sagt aber nicht mehr als jedermann schon weiß. Daß einigeglatte Fehler dazukommen, nimmt nicht wunder; aber Radetzky als Sieger inder Schlacht von Custozza( S. 54) hätte ich Landgrebe eigentlich nicht zuge-traut. Das kommt davon, wenn man sich über den Heldenberg" von Wetzdorfimmer noch lustig macht, statt zu begreifen, daß man diese Stätten durchausmit historischem Verständnis begehen kann. Daß man sich, wie Landgrebe S. 54meint, am Leopolditag beim Faßlrutschen in Klosterneuburg aus dem Innerndes Faẞls etwas zu Gemüte führen" könne, zeigt auch von richtiger Unkennt-nis: Seit 1805 ist das Riesenfaẞ leer. Aber wer liest denn schon so etwas wieunsere Fachliteratur.Leopold Schmidt

Franz Trischler,( Hg.), Zwischen Weinsberg, Wild und Nebel-stein. Bausteine zur Heimatkunde des Hohen Waldviertels. 324 Seitenmit zahlr. Abb. Zwettl, Schwarz' Erben KG, 1974.

Mit Unterstützung des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierungund der Lehrerschaft des Schulbezirkes Zwettl hat der rührige Bezirksschul-inspektor Franz Trischler diesen Band herausgebracht, in dem er neben eigenenBeiträgen auch solche von vielen Mitarbeitern bringt, wobei einige davon Neu-drucke von schon früher erschienenen Arbeiten sind.

Bei einer solchen landschaftsgebundenen Heimatkunde sind Beiträge zurVolkskunde im engeren wie im weiteren Sinn ganz selbstverständlich. Diewichtigsten davon sollen hier kurz namhaft gemacht werden. Nach der Dar-stellung der Blocklandschaft des Waldviertels" von dem längst verewigtenAnton Becker steht die Abhandlung von Adalbert Klaar über DieSiedlungslandschaft zwischen dem Weinsberger Forst, der Wild und demNebelstein." Es folgen Die Flurnamen im Raume Zwettl" von dem berufenen

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