Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

,, Aspekte der Brauchforschung", um einen von Gerndt zitierten Titel FriedrichSiebers von 1956 noch einmal aufzugreifen. Gerndt setzt sich da noch ein-mal mit Interpretationen von Einzelelementen durch Graber oder auch durchPetrei auseinander. Weit wesentlicher ist ihm jedenfalls die Feststellung,daß wir es dabei immer mit einem geschichtlichen Phänomen" zu tun haben.Davon ist von unserer Seite her nun schon seit vielen Jahren die Rede. Erfreu-lich, daß die Saat so gut aufgegangen ist. Daß man nicht alles, was bisher dazugedacht und geschrieben wurde, unbesehen über Bord werfen sollte, bleibteine immer gültige Merkregel.

Das wertvolle Werk ist vorbildlich gearbeitet, mit genauen Anmerkungenund guten Registern ausgestattet und mit einer lebensnahen Bebilderung ver-sehen. Man wird nicht nur dem Verfasser, sondern auch den Direktoren desLandesmuseums für Kärnten Gotbert Moro und Franz Koschier für dieBetreuung gerade dieses wichtigen Buches sehr dankbar sein müssen. Aber dieeigentliche Leistung ist eben doch Helge Gerndt zu danken, der mit diesemBuch einen ungewöhnlich wichtigen Beitrag zur religiösen Volkskunde Öster-reichs geleistet hat.Leopold Schmidt

Leopold Schmidt, Volkskunde von Niederösterreich. Regi-ster. Horn,., Ferdinand Berger u. Söhne, 1974, Brosch. 129 Seiten;ÖS 120,-.

Die große Volkskunde von Niederösterreich", die Leopold Schmidtaus jahrzehntelanger Arbeit in zwei starken Bänden von zusammen 1126 Seiten,mit zehn Karten und 130 Abbildungen auf Tafeln 1966 und 1972 hatte heraus-bringen können, wurde hier dankbar gewürdigt.( Vgl. Österr. Zs. f. VolkskundeN. S. XXI, 1967/1, S. 56 f.; XXVII, 1973/2, S. 156 ff.) Nun folgt als dritterTeil dieser Register- Band. Bedarf dies einer Rechtfertigung? Wohl kaum! Wernur einigermaßen im Fach steht", der weiß, wie es immer schwieriger wird,die Fülle der Publikationen auch nur einigermaßen in Evidenz zu halten. DasAnschwellen von Ausgaben von Quellen, Untersuchungen, Kompendien, über dieTraditionen vieler Nationen hin ausgreifender Monographien zu Einzelphäno-menen der Volkskultur( en) zwingt den Forscher zur rationellsten Notierung,Archivierung, Informations- Speicherung. Wer aber weit in den Fachsparten aus-reifend, frühe Zeiten auslotend und schichtenspezifische Erscheinungsformender Kultur auch nur eines, allerdings traditionsreichen Landes wie Nieder-österreich darstellend eben Werden und Wandel seiner Kulturprägungen biszur Halbvergangenheit oder zum unmittelbar erlebbaren Heute nachzeichnet,kann gar nicht erwarten, daß der über die Wichtigkeit der Einzelmitteilunghinausgehende gesamte Informationswert erhalten bleibt, wenn nicht das Regi-ster die Fülle zu erschließen unternimmt. Wie solch ein Register erstellt wird,ist zunächst Sache dessen, der das Werk schrieb. Er wird es nie allen, die denPunkt suchen und nicht die Fläche zu überschauen gewillt sind oder überhauptvermögen, recht machen können. Die moderne Kommunikationsforschung hältsich viel( zu viel) darauf zugute, welche ausgeklügelten Systeme zur Daten-speicherung sie auch für die Geisteswissenschaften anzubieten habe und manchejüngere Kollegen halten mit ihrer Kritik über Register zu älteren Büchern, diezu lesen sie oft a priori gar nicht bereit sind, nur mühsam oder gar nicht zurück.Daß solche Überheblichkeit dann nicht einmal imstande ist, eine Einzelmono-graphie im Heftumfang mit einem wirklich brauchbaren Register zu versehen,ist leider Tatsache, nicht nur im Bereich akademischer Lehre. Man nehme alsogetrost dieses Register zur ,, Volkskunde von Niederösterreich" zur Hand, lesedie besinnliche Einleitung S. 5-8 und mache sich selber ein Bild davon, daß1381 Orte genannt sind, 948 Personen, daß Zahlen und Farben in ihren ver-

56

56