Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
51
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Chronik der Volkskunde

Österreichisches Freilichtmuseum

Das Museum im steirischen Stübinggraben hat seinen Jahresbericht über1974 herausgebracht, wieder einen stattlichen Band mit vielen guten Zeich-nungen. Der ausführliche Tätigkeitsbericht von Hofrat. Dr. Viktor HerbertPöttler zeichnet genau und ausführlich die Erfolge im Berichtsjahr nach( S. 7-42). Es ist kein Jahresbericht der Sensationen, aber nach der Fertig-stellung von einem halben Hundert Objekten ist dies ja auch nicht mehr zuerwarten. Immerhin konnte das Gehöft aus dem Waldviertel( Rammelhof beiArbesbach, Niederösterreich) fertigaufgestellt und mit Unterstützung des Nie-derösterreichischen Landesmuseums eingerichtet werden. Auch der zum Ge-höft gehörende freistehende Backofen wurde aufgestellt, ebenso wie der Back-ofen vom Hanslerhof aus Alpbach in Tirol und die Hammerschmiede ausKrakau- Hintermühlen in Steiermark. Über den Waldviertler Hof wird besonderseingehend berichtet, unterstützt von sieben guten Zeichnungen. Eine gewisseProblematik des Freilichtmuseums ergibt sich in diesem Fall, weil der Abstanddieses Dreikanters" vom oberösterreichischen Vierkanter" doch verhältnis-mäßig klein ist. Aber es ist ja an sich schon bewundernswert, daß Pöttler immernoch Gehöfte in seinen Graben hineinzustellen versteht, wobei es sich in immerzunehmendem Ausmaß um bäuerliche Bauten handelt, die eben nicht für einsteirisches Seitental geschaffen wurden.

Bemerkenswert erscheinen in diesem Zusammenhang die BemerkungenPöttlers über die Einrichtung der Höfe mit Geräten, die nicht im Sinn derälteren Volkskunstforschung schön" sind, sondern dem oftmals ärmlichenAlltag angehört haben. Pöttler schreibt direkt: Indem man nur das bleibendWertvolle und Schöne zeigen wollte, schuf man mit der Ansammlung kostbarenInventars einen Multiplikator dieses Fehlers und verrannte sich in die legendäre, Alte Bauernherrlichkeit."( S. 16) Man darf hinzufügen, daß die stärker ethno-graphisch ausgerichteten Museen diesen Fehler eigentlich nicht gemacht haben,daß aber anderseits das Herausstellen von gut gearbeiteten Stücken, voncharakteristischen Reihen traditioneller Volkskunst nicht durchaus zu verwer-fen ist. Schränkt man Pöttlers Einwand auf die Freilichtmuseen ein, dann er-scheint er sicherlich mehr berechtigt. Da wäre, wenn möglich, auf eine originaleAusstattung Bedacht zu nehmen. Aber freilich, wenn, wie bei dem ArbesbacherHof der originale Stubenofen fehlt, wird man nicht leicht ein völlig ent-sprechendes Stück als Ersatz finden, und vielleicht unter Umständen etwas zuhoch" greifen, wenn ich den Satz Pöttlers vom, Zug nach oben' richtig ver-stehe. Es dürfte nicht leicht sein, sich gerade für die Einrichtung der Höfe undHäuser, die man in ein Freilichtmuseum überträgt, eine auf längere Sicht hinbrauchbare Leitlinie zu ziehen. Alle Dinge, die dort versammelt werden, solleneinerseits ,, echt", anderseits aber doch auch, sehenswert" sein, sonst wird vorallem der ungeschulte Besucher damit nicht mehr viel anfangen können. Dassoll nicht mit den geringeren Besucherzahlen verbunden werden, die der Jahres-bericht auszuweisen hatte. Ein gewisser Schwund war nach den ersten Jahren,

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