Süleymans erhoben habe. Zur dauernden Erinnerung an die Abwehrdes grausamen Erbfeindes der Christenheit sei es im Umfang undgenau in den Formen der sultanischen Zeltburg errichtet worden 5).
Daß diese Überlieferung keinen realen Hintergrund besitzt, istlängst bewiesen. Die auch in seriösen Geschichtswerken noch mit-unter anzutreffende dezidierte Behauptung über den Standort desSchlosses leitet sich selbst lediglich von der Sagentradition ab. Auszeitgenössischen Quellen ist nicht mehr herauszulesen, als daß sichdas Lager des Sultans im Raum zwischen St. Marx und Kaiserebersdorfbefand 6). Hinsichtlich der Baugestalt entzog der KunsthistorikerAlbert Ilg in einer gründlichen Untersuchung allen diesbezüglichenSpekulationen den Boden 7). Seine Ergebnisse wurden von RichardKurt Donin durch die Erkenntnis der stilistischen Abhängigkeit von dervenetianischen Villa suburbana präzisiert 8). Ohne auf kunstgeschicht-liche Fragen eingehen zu wollen, muß dazu allerdings eine Einschrän-kung angebracht werden. Die Ansicht, in der Gestaltung des Schlossesund seines Gartens könnten auch osmanische Vorbilder wirksamgeworden sein, wird heute keineswegs mehr als völlig abwegig zurück-gewiesen 9). Osmanische Besucher Wiens fühlten sich jedenfallsdies ist für unseren Zusammenhang überaus wichtig. von der weit-läufigen und vieltürmigen Anlage irgendwie an Heimisches gemahnt.Wie z. B. jener anonyme Beschreiber der Großbotschaft IbrahimPaschas 1719/1720, dem das Neugebäude der Festung Yedikule inIstanbul zu gleichen schien 10).
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Doch zurück zur Bausage. Nach Ilgs Deutungsversuch entstanddie Tradition erst etwa ein Jahrhundert nach Erbauung des Schlossesund bildete sich bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts in zwei Etappenzur endgültigen Gestalt aus. Zunächst habe man lediglich davon ge-fabelt, daß das Schloß an der Stelle des Sultanszeltes erbaut worden5) Realis, Curiositäten- und Memorabilienlexikon von Wien, Wien 1846,Bd. 2, 209 ff.6) Joseph von Hammer- Purgstall, Wien's erste aufgehobene tür-kische Belagerung, Pest 1829, Quellenbeilagen, 57 f., 63. Niklas Meldemann,Rundbild mit Erläuterungen: Der stadt Wien belägerung..., Nürnberg 1530.
7) Albert Ilg, Das Neugebäude bei Wien( Jb. der kunsthistorischen Samm-lungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, Bd. 16, Wien- Prag- Leipzig 1895, 81-121).8) Richard Kurt Donin, Venedig und die Baukunst von Wien und Nieder-österreich(= Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich, Bd. 14).Horn 1963, 54-64.
9) Man vgl. dazu z. B. Renate Rieger, Das Wiener Neugebäude( Mittei-lungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Bd. 59, Wien 1951,142 ff.), Hubert Ka ut, Wiener Gärten, Vier Jahrhunderte Gartenkunst(= Öster-reich- Reihe, Bd. 264/266), 17 ff.
10) Joseph von Hammer- Purgstall, Türkische Gesandtschaftsbe-richte, Teil II,( Hormayrs Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur undKunst, Bd. 13, Wien 1822, 47.
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