Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
490
Einzelbild herunterladen
 

Das muẞ berücksichtigt werden, wenn man ansonsten dem Band einen gutenLeseerfolg wünschen möchte.

Felix Karlinger

Anton- Joseph Ilk, Der singende Tischgen. Cluj- Napoca 1990, 219 Seiten.

Zipser Volkserzählun-

Das vorliegende Bändchen erinnert mit seinem Inhalt und in der umgangs-sprachlichen Diktion seiner Texte unmittelbar an die Geschichten und Mär-chen, die Tobias Kern als Straßenkehrer von Ödenburg vor fast hundert JahrenJohann Reinhard Bünker erzählt hat. Dieser Vergleich sei hier gewählt, weil eram ehesten den volkskundlichen Gehalt und den Wert dieser wirklichen Volks-erzählungen begreiflich macht. Herausgeber und Bearbeiter ist der 1951 inOberwischau, d. h. am zentralen Ort der Erzählungen, geborene und jetzigeStadtpfarrer von Neustadt/ Baia Mare im Kreis Maramuresch( Rumänien), dersich bereits durch mehrfache einschlägige Publikationen bekannt gemacht hatund offenbar eine weitere Ausgabe seiner Erzählsammlung als Sammelband,, Zipser Volksgut aus dem Wassertal" im Verlag N. G. Elwert, Marburg/ Lahn,plant). Die vorliegende Textsammlung stützt sich vornehmlich auf Tonband-aufnahmen der letzten fünf Jahre und enthält Erzählgut der sogenannten Zipser Sachsen aus der Gegend von Wischau/ Vişeu de Sus, d. h. aus demerzreichen Berghinterland östlich von Neustadt/ Baia Mare, in das schon um1143 Bergleute aus Sachsen eingewandert sind, die sich dort verschiedenenortsniedergelassen haben. Eine Skizze des Wischauer Landes mit den Siedlungender Zipser im Wassertal auf S. 217 läßt sich mit den bisherigen elenden rumäni-schen Straßenkarten leider nicht in Konkordanz bringen.

Den Inhalt der wertvollen Sammlung bilden I. Mära" und andere märchen-hafte Erzählungen, II. Sagen und sagenhafte Geschichten( Kaẞka) und III.Humoristisches und Schwankhaftes sowie Bilder aus dem Leben dieser Wald-arbeiter und Bergleute. Die Texte sind soweit wie möglich ungeschönt undvermitteln dadurch einen sehr direkten und geradezu hörbaren Eindruck vonden verschiedenen Erzählern, die der Herausgeber jeweils sorgfältig vermerkthat. Nach Themen und Geschichten( Motiven) handelt es sich um einenerstaunlich spätlebendigen Erzählfundus weitgehend illiterater Gewährsleute,dessen Motivzuordnung und Stoffe zweifellos eine eigene Fachanalyse vonkompetenter Seite, vielleicht sogar eine spezielle Gesamtuntersuchung verdie-nen würden. Der Herausgeber Anton- Joseph Ilk hat indessen dafür sein Bestesgetan: Neben seinen wichtigen Vorbemerkungen( S. 5) liefert er einen einfüh-renden Versuch über Die Zipser in Oberwischau und ihre sehr unterschied-liche Herkunft zuletzt aus Orten der Slowakei( 1812/1829) und die sprachlichen

*) In seinen Anmerkungen S. 15-16 weist der Verf. zahlreiche Einzelveröffentlichungender hier aufgenommenen Erzählungen aus dem Wassertal nach, die vorwiegend inZeitschriften Siebenbürgens und des Banates erschienen sind.

490