Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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ihnen. So entsteht eine überaus lebendige Monographie der Volkserzählungenaus der alten Freigrafschaft; 216 Nummern an der Zahl, deren letzte 17 ausBournois/ Jura Garneret aus einer schon 1894 veröffentlichten, wenig bekann-ten Dialekt- Sammlung von Charles Roussey übernommen und in ein volkstüm-liches Schriftfranzösisch transkribiert hat.

Der Inhalt der Sammlung besteht aus sechs Textgruppen: I. Contes merveil-leux"( Märchen) mit zahlreichen bekannten und wichtigen Märchenvarianten( Nr. 1-21); II. Contes d'animaux mit z. T. sehr typischen französischenTiergeschichten( Nr. 2235); III. Contes plaisantes", d. h. Vergnügliches undebenfalls sehr Charakteristisches um Land und Leute( Nr. 36-121); IV. ,, Recitslegendaires"( legendenhafte Geschichten) und V. Sociers, Medecin popu-laire"( Volks- und Aberglaube, Volksmedizin)( Nr. 166-198), woran dieErzählungen aus Bournois von Ch. Roussey aus 1894 anschließen( Nr.199-216). Garneret hat den meisten Erzählungen einen ausführlichen verglei-chenden Kommentar mit Hinweisen auf andere französische Parallelen sowieauf die Kataloge von P. Delarue, M.-L. Tenèze, Aarne- Thompson, auf GrimmsKHM sowie auf Kurt Rankes Publikationen beigegeben, für den jeder ernst-hafte Benutzer sicher dankbar sein wird; außerdem fügt er seinem Buch 16eigene und sehr hübsche graphische Blätter zu einzelnen Geschichten ein. SeineErzählsammlung prägt durchwegs eine treffliche und volksnahe Sprachform,bringt z. T. Texte auch im Patois oder sogar parallel zur Schrift- bzw. Umgangs-sprache. Sie wird so gewiß auch für den einfachen Leser zu einem beglückendenGeschenk. Dennoch genügt sie wissenschaftlichen Ansprüchen, die überallspürbar mitbedacht erscheinen. Als repräsentative Zusammenfassung vonVolkserzählungen aus der Franche- Comté vertritt sie eine äußerst wichtigeÜbergangslandschaft zu Westeuropa( Frankreich), die stofflich unverkennbaran die Schweiz, das Elsaß und an die Rheinlande auch jenseits der Sprachgren-zen anschließt und deutliche Beziehungen in der Erzählüberlieferung auch dort-hin aufweist.

Oskar Moser

Erich Ackermann( Hrsg. u. Übers.), Märchen der Bretagne. Frankfurt,Fischer Taschenbuch Verlag, 1989, 176 Seiten.

Die Serie Märchen der Welt" besteht beim Fischer Taschenbuch Verlagbereits über zwei Jahrzehnte, doch jüngst hat sie eine Umformung und Egalisie-rung erfahren, die sie vereinheitlicht. Es mag manches für sich haben, wenn sodie von Anlage und Funktion bisher sehr unterschiedlichen Bände stärker aufeine bestimmte Tendenz abgestimmt werden.

Daß das Schwergewicht auf der Absicht liegt, gutes und breites Lesematerialanzubieten, ist verständlich, und diese Bemühung scheint bisher auch gelungen.

Weit davon entfernt, an eine populäre Serie wissenschaftliche Ansprüche zustellen, erhebt sich jedoch die Frage, wieweit die vorgelegten Texte für die

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