Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
487
Einzelbild herunterladen
 

Im übrigen sind manchmal auch Lieder und Sonette in die Texte eingescho-ben, die wie eine Vorwegnahme der Eklogen von Basile in seinem Cunto deli cunti" wirken. Es ist wohl anzunehmen, daß der Italiener die SammlungTimonedas gekannt hat.

Ganz anders als Straparola und doch in gewissen Zügen des Funktionellenparallel ist unser Spanier zweifellos eine Fundgrube für manche mündlichenund schriftlichen Nacherzähler gewesen, zumal das Werk im 16. Jahrhunderteine Art ,, best seller" gewesen ist.

Pögl ist sehr zu danken, diese Kostbarkeit ausgegraben zu haben.

Felix Karlinger

Jean Garneret, Contes recueillis en Franche- Comté. Besançon,Folklore Comtois, 1988. 361 Seiten, illustriert.

Der Sammler, Bearbeiter und Herausgeber dieser prächtigen Volksmärchenund Volkserzählungen aus der südostfranzösischen Franche- Comté zwischenVogesen und Hochjura ist kein Unbekannter. Abbé Jean Garneret lebt heutehochbetagt in der Nähe von Besançon und ist als Sammler, als Museologe wieals Forscher eine der profiliertesten Persönlichkeiten der Volkskunde seinerHeimat. Für sie schuf er die Grundlagen zu den Sammlungen des Musée Folk-lore Comtois in Besançon und gründete er vor langem schon die Zeitschrift ,, LeBarbizier". Ihr aber widmete er auch ein gutes Dutzend z. T. umfangreichervolkskundlicher Publikationen über Haus und Hof, Volkslieder, théatre popu-laire, Volksglauben und Arbeitsleben, Volkskunst seines Landes. Zugleich ver-mochte der Graphiker Garnerert diese seine Welt in unzähligen feinen Feder-zeichnungen festzuhalten, deren eigenen, unverwechselbaren Duktus manschon an den klaren Konturen und der ebenmäßigen Schraffur seiner Schatten-gebung schnell erkennt.

Nun überrascht uns dieser schöne neue Band mit Volkserzählungen von JeanGarneret und erweist seinen Verfasser zugleich als einen erfahrenen Erzählfor-scher und als Mitarbeiter so bekannter Forscher wie Paul Delarue, Arnold vanGennep und Marie- Louise Tenèze, mit denen er wohl als Aufzeichner undSammler seit langem in Verbindung stand. Selbstlos in seiner Hilfsbereitschaftund von bestechender persönlicher Bescheidenheit stellt er auch hier sein rei-ches Wirken unter die Devise: Rendre au peuple son butin!".

Seiner neuen Sammlung stellt Garneret eine Passage aus Paul Delarue's Vor-wort zu, Le Conte Populaire Français( 1957) voran. Er berichtet dann einlei-tend über seine persönliche Zusammenarbeit und Freundschaft sowohl mitdiesem wie auch mit Arnold van Gennep, mit Charles Joisten und GenevièveMassignon. Für sie hatte Garneret schon um 1930 Volkserzählungen zu sam-meln begonnen. Nun stellt er in seinem Buch elf seiner besten Gewährsleuteeinzeln und in genauen Biographien vor und bringt auch Portraitfotos von

487