Insgesamt ist dieser Bestandskatalog eine verdienstvolle Arbeit, solidegemacht und großzügig mit Bildmaterial ausgestattet, was für Vergleiche mitanderen Sammlungen überaus nützlich ist. Sammler, Trachtenfreunde, aberauch Fachkollegen sind mit diesem Band gut bedient. Mich persönlich störteinzig eine ästhetische Komponente, nämlich die fotografische Kompositionder Farbtafeln mit den bunten Tüchern als„ schönem“ Hintergrund. DieObjekte für sich sind prächtig genug, was die wenigen freigestellten Bilder derTafeln 7, 11 und 12 zeigen, und bedürfen keiner Behübschung. Im Gegenteil,die bunten, unruhigen Hintergründe stören die Wirkung der Objekte empfind-lich. Das ist aber lediglich eine Geschmacksfrage, und über den läßt sichbekanntlich streiten. Abgesehen vom Katalog bereitete aber auch der Besuchder Ausstellung Genuß, hatte man erst, wie ich, bei glühender Sommerhitzeden schweißtreibenden Aufstieg zum Monatsschlößl bewältigt, wo man dannallerdings von besonders freundlichem Museumspersonal in Empfang genom-men und gelabt wurde.
Margot Schindler
Johann Pögl( Hrsg.) Das Patrañuelo oder Das unwahrhaftigeGeschichtenbüchlein des Juan Timoneda(= Texte RomanischerVolksbücher, Heft 10). Salzburg 1990. 195 Seiten.
Im deutschen Sprachraum sind Teile des Volksbuchs noch immer eine Terranondum cognita. An wesentlichen Erscheinungen wie Baltasar Dias, GonçaloFernandes Trancosco und Juan Timoneda sind die Übersetzer bisher vorüber-gegangen, obwohl sonst das Interesse für die iberoromanische Literatur in denletzten Jahrzehnten stark gewachsen ist. Umso erfreulicher berührt es, daßjetzt einer dieser drei auch dem deutschsprachigen Leserkreis zugänglichgeworden ist.
Timoneda selbst hat in seinem Vorwort an den„ vielgeliebten Leser“ deutlichgemacht, was er mit seinem Büchlein bezweckt:„,... denn Patrañuelo geht ausPatraña hervor, und Patraña ist nichts anderes als eine erdachte Geschichte, dieso anmutig ausgesponnen und zusammengefügt wurde, daß es den Anscheinhat, als sei darin etwas Wahres enthalten.“ Und er fügt hinzu:„ Und darumwerden solche Ungereimtheiten in der Sprache meiner Heimat Valencia, Ron-dalles' genannt...", das ist jener Begriff, mit dem die Katalanen unsereGattung„ Märchen“ umschreiben.
Zweiundzwanzig solcher Erzählungen hat Timoneda in seine Sammlung auf-genommen. Der zwischen 1518 und 1520 in Valencia geborene Autor hatteeinen bunt- bewegten Lebenslauf. Erst Gerber wie sein Vater, schlug er aufUmwegen über die Laufbahn eines Schauspielers und eines Buchhändlers sei-nen Weg als Verleger und Schriftsteller ein. Sein reichhaltiges opus kann hiernicht näher betrachtet werden, doch darf man summarisch sagen, daß er einpopulärer Autor war. Der Erfolg galt insbesondere dem vorliegenden Büchlein,
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