Webereien Semrad und Bacher in Hoheneich gar nicht erwähnt werden. DerFührer macht jedenfalls Lust, so manches der genannten Ziele einmal wirklichanzusteuern und regt an, sich einer bestimmten Region und ihrer Architektur-und Siedlungsformen von einer anderen, eher unbekannten, aber überaus inter-essanten Seite zu nähern.
Margot Schindler
Ingeborg Petrascheck- Heim, Die Sprache der Kleidung. Wesen undWandel von Tracht, Mode, Kostüm und Uniform. 2., neubearbeitete Aufl.,Baltmannsweiler, Pädagogischer Verlag Burgbücherei Schneider, 1988,137 Seiten, 77 Abb. i. Anh.
In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre erlebte die kulturhistorische Klei-dungsforschung eine beachtliche Blüte. Respektable, international besetzteTagungen thematisierten die Begriffe Kleidung, Mode, Tracht. Die Tagungs-bände fassen die Ergebnisse zusammen( Cloppenburg 1985, Lienz 1986, SchloßHofen bei Bregenz 1988). Die Hofener Tagung diente zur Vorbereitung derVorarlberger Landesausstellung 1991„ Kleider und Leute“, der vorläufig letz-ten Ausstellung mit kleidungshistorischem Ansatz, nach einer ganzen Reihevorangegangener mit unterschiedlichen Schwerpunkten( Selbst gesponnen,selbst gemacht..., Cloppenburg 1986, Variété de la Mode, München 1987,Costume- Coutume, Paris 1987, Drüber und Drunter, Wien 1987, Die Falte,Wien 1987, Die zweite Haut, Frankfurt 1988, Kleidung zwischen Tracht undMode, Berlin 1989, Beinnahe, München 1990, u. a.). Daneben widmeten sichZeitschriften in Einzelaufsätzen oder mit ganzen Themenheften dem„, Sich klei-den"( Hessische Blätter für Volks- und Kulturforschung, Marburg 1989).
Das also allenthalben aufbereitete Interesse für das Kleidungsthema magvielleicht den Pädagogischen Verlag Burgbücherei Schneider in Baltmannswei-ler dazu bewogen haben, das 1966 erstmals erschienene, aber seit Jahren ver-griffene Buch von Ingeborg Petrascheck- Heim, Die Sprache der Kleidung, 1988neu aufzulegen. Der Anspruch des Buches, der im Untertitel erhoben wird, isthoch, nämlich dem Wesen von Tracht, Mode, Kostüm und Uniform nachzuspü-ren. Schon diese Klassifizierung ist problematisch, denn wie wir wissen, läßtsich mit den im Alltag unter relativ klaren Vorstellungen gebrauchten BegriffenTracht und Mode wissenschaftlich nicht mehr so ohne weiteres operieren.Neben den von der Autorin zitierten Definitionsversuchen, die alle aus der Zeitvor der Erstauflage des Buches stammen, gibt es inzwischen in der neuerenLiteratur zahllose weitere, die unter anderem zeigen, daß sich unter dem Phä-nomen„ Kleidung" viele Modifikationen und Varianten verbergen, die vonzahlreichen gesellschaftlichen, sozialen, zeit- und umweltbedingten Faktorenbeeinfluẞt werden, denen im einzelnen nachzugehen ist.
Das vorliegende Werk versteht sich nicht als Kostümgeschichte, sondern eszielt auf die„, Formensprache“ der Kleidung und sucht nach den„ Prinzipien der
482