Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
480
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Das Land, Wald und Wirtschaft, Dorf und Volkstum, Vorgeschichte undOrtenburger, Türken und Franzosen, Volkstumskämpfe, Umsiedlung. Und dieverlorene Heimat? Den Abschluß bildet eine Zeittafel, die zugleich eine Über-sicht über das historische Geschehen bietet.

Als zweites Heft, das 1991 erscheinen soll, wird eine Überschau über dieBemühungen zu einer landwirtschaftlichen und damit überhaupt wirtschaft-lichen Verbesserung vor dem zweiten Weltkrieg erwartet.

Maria Kundegraber

Andrea Komlosy, Waldviertler Textilstraße. Reiseführer durchGeschichte und Gegenwart einer Region. Herausgegeben im Selbstverlagder Waldviertler Textilmuseen. Groß- Siegharts Waidhofen a. d. ThayaWeitra 1990, 141 Seiten, zahlr. Abb. u. Karten

Den Faden zurück verfolgt Andrea Komlosy, Wienerin mit Standbein imWaldviertel, die bereits mit mehreren bemerkenswerten Veröffentlichungenzur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Waldviertels unter besondererBerücksichtigung der Textilindustrie in die Öffentlichkeit getreten ist, jedochnicht ohne ihn auch in die Zukunft zu spinnen. Die Textilindustrie war und istfür das Waldviertel ein bedeutender Wirtschaftszweig, der in der Gegenwartallerdings unter gewaltigem Konkurrenzdruck steht. Viele der ehemaligenFabriksgebäude waren nicht mehr zu halten und auf der Suche nach neuenNutzungsmöglichkeiten verfiel man dort und da, einem allgemeinen Trend fol-gend, auf die kulturelle Verwertbarkeit solcher Objekte. Textilarchäologie,Museum in der Fabrik, Textilwerkstatt, sind nur einige Schlagwörter in dieseRichtung. In den vergangenen Jahren konnten sich gleich drei größere Initiati-ven unter musealem Aspekt im oberen Waldviertel durchsetzen: das LebendeTextilmuseum in Groß Siegharts, das Erste Waldviertler Webereimuseum inWaidhofen a. d. Thaya und das Museum Alte Textilfabrik in Brühl bei Weitra,letzteres unter der wissenschaftlichen Federführung Komlosys. Die Arbeit amKonzept dieses neuen Museums und der damit verbundene tiefe Einstieg in dieErforschung der Region und speziell ihrer textilwirtschaftlichen Vergangenheit,verbunden mit dem Wunsch für diese in mancher Hinsicht benachteiligteGegend und ihre vielfach resignierende Bevölkerung etwas zu tun, mag dieAutorin zu ihrem außergewöhnlichen Reiseführer inspiriert haben. Es handeltsich um ein echtes Exemplar dieser literarischen Gattung. Die Reise, die darinauf einer ca. 180 Kilometer langen Strecke angeboten wird, unterscheidet sichallerdings von den gängigen Kulturrouten, und ist von lauter Sehenswürdigkei-ten, die nicht auf den ersten Blick auszumachen sind, gesäumt, ja es bedarf fürihre Entdeckung meist überhaupt erst der kenntnisreichen Hinweise durch denFührer. Neben den bereits genannten Textilmuseen finden sich da Besichti-gungspunkte wie etwa einzelne Weberhäuser oder ganze Weberzeilen undWerkssiedlungen, historische Industriearchitektur, Mühlen und Kleinarchitek-tur wie Haar- und Brechelhäuser. Viele der Textilbetriebe sind gegen Voran-

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