Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Einzelbild herunterladen
 

wahl optimaler Technologien zur Färbung von Stoffen, Garnen und Fäden ausNaturfasern auftreten, welche für die Konservierung historischer Gewänderbenötigt werden. Eva Lundwall referierte über die Restaurierung einer Mitra( aus einem Bischofsgrab in Bremen) im Historischen Museum von Stockholm.Zahlreiche Bilder veranschaulichten den Restaurierungsvorgang.

In der Mittagspause ergab sich die Möglichkeit zum Besuch des, Historisch-Ethnographischen Museums der Litauischen SSR" in Vilnius. 1967 wurde dasMuseum im restaurierten Arsenal( 18. Jh.) untergebracht und 1968 eröffnet.Das historische Material bearbeitete das Institut für Geschichte, mit dem ethno-graphischen Teil befaßte sich das Institut für Ethnologie der Akademie derWissenschaften der Litauischen SSR.

Die Schausammlung vermittelt einen Überblick über die Geschichte deslitauischen Volkes von prähistorischen Zeiten bis zur Gegenwart. Von histori-schem und künstlerischem Wert sind die breiten, langen Seidengürtel mit einge-webten Gold- und Silberfäden, die in den Manufakturen von Radvila angefer-tigt wurden. Sie wurden von den Fürsten zu besonderen Anlässen getragen.Besonders berühmt war die Manufaktur in Sluzk. Von Interesse ist die Webartdieser Gürtel. Sie weisen auf jeder Seite verschiedene Muster mit unterschied-lichen Farben auf. Die Rückseite weist somit eine völlig differente Musterungund Färbung als die Vorderseite auf.

Die volkskundliche Abteilung gewährt Einblick in das Leben der Bewohnerder wichtigsten ethnographischen Gebiete Litauens. Dazu gehören die Aukštai-ten, die Žemaiten, die Dzúken und die Súduva. Eine reiche Auswahl an Texti-lien, Möbeln, Geräten und sakralen Kleinplastiken wird in diesem Museumgezeigt. In den zahlreichen Stubennachbauten und Wohnensembles werden dieMöbel der verschiedenen Regionen zusammen mit Trachtenensembles undHaustextilien gezeigt. Die Verwahrmöbel sind meist bunt bemalt. BeliebteMotive der volkstümlichen Bildhauerkunst sind die Darstellung Jesu Christi als,, Schmerzensmann und der Hl. Georg.

Am Nachmittag wurden wir durch das P. Gudynas Restaurierungszentrumgeführt. Neben Textil-, Graphik- und Keramikrestauratoren arbeiten dort sie-ben Chemiker, ein Physiker und eine Biologin. Zu den Hauptaufgaben derBiologin gehört etwa die Überprüfung des Raumklimas und die Erprobung vonMitteln gegen Schimmelpilze. In einem eigenen Raum werden Röntgenunter-suchungen durchgeführt. In den Gängen werden restaurierte Objekte ausge-stellt. Photodokumentationen erläutern die Arbeitsvorgänge. Nach der Restau-rierung kehren die Objekte wieder in die Museen zurück.

Am 19. Oktober fuhren wir nach Kaunas. Dort wurden die abschließendenVorträge gehalten. Dieter Pesch vom Landesmuseum für Volkskunde in Kom-mern erörterte die konservatorischen Probleme in Freilichtmuseen. G. Zait-seva vom Nationalen Forschungsinstitut für Restaurierung( VNIIR) in Moskausprach über die Möglichkeiten des Mottenschutzes von Textilien. Valery Goli-kov, der ebenfalls in diesem Forschungsinstitut tätig ist, referierte über dieWichtigkeit des Studiums der Färbertechnologien von textilen Fasern mitNaturfarben.

464