Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
457
Einzelbild herunterladen
 

lischen Traditionen, wobei sie viele Unklarheiten ausräumte und durch Diasund Tonbeispiele ihre Erkenntnisse untermauerte. Musikalische Analysen stan-den im Mittelpunkt des Referates von Eva Davidová( Ceský Krumlov) und JanŽižka( Praha), das die Liedgattungen der Roma in der ČSFR zum Inhalt hatte.Jan Žižka unterschied deutlich zwischen der Musik, die Roma für das Mehr-heitsvolk spielen oder singen, und jener, die sie für Roma ausführen. DieGattungseinteilung beruht auf musikalischen und textlichen Kriterien. Sie istfür eine Gruppe der österreichischen Roma, nämlich für jene der Lowara,bestens adaptierbar. Eine Vertreterin dieses Volkes saß bei dem Vortrag imPublikum, die spätere Referentin Ceija Stojka. Sie bestätigte aus ihrem Gefühlheraus die kulturelle Verwandtschaft der slowakischen Lowara mit den inÖsterreich lebenden. Als Ceija Stojka( Wien) dann am Nachmittag selbstsprach, war dies ein würdiger und sehr menschlicher Abschluß des Seminars.Die Buchautorin und Sängerin erzählte aus ihrem Leben, über den Stellenwertder Musik in ihrem Leben, und sie sang auf eindrucksvolle Weise einige deralten Lowaralieder. Das Leiden ihres Volkes in der Vergangenheit und dieDiskriminierung bis heute brachte sie zurückhaltend zur Sprache. Sie begannihren Vortrag mit den Worten: Wer hätte das gedacht, daß in so einer ehrwür-digen Burg einmal eine Zigeunerin Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeunerin reden und singen würde". Die Zuhörerwaren ergriffen und begeistert von der lebendigen Darstellung dieser vergesse-nen, verborgenen Minderheit, der Roma.

In Gedanken an den nicht anwesenden geistigen Vater des Seminars, anProf. Walter Deutsch, endete diese ereignisreiche Woche, in der die Teilneh-mer dieses Seminares Österreich in seiner großen volksmusikalischen undethnischen Vielfalt erfahren konnten.

Ursula HemetekRudolf Pietsch

,, Bild und Text"

IV. Internationale Konferenz des Komitees fürethnologische Bildforschung in der SIEF

Vom 2. bis zum 6. Oktober fand in Innsbruck die vierte Tagung des Komiteesfür ethnologische Bildforschung in der Société Internationale d'Ethnologie etde Folklore( SIEF) statt. Diese Konferenz war die bisher größte des 1984 inLund ins Leben gerufenen Komitees; knapp 40 Referenten aus 20 Ländernbestritten ein viertägiges Vortragsprogramm, dem bei Halbzeit eine Exkursionnach Südtirol eingeschoben wurde.

Bild und Text- ein Thema, das nicht nur in unserer Disziplin zur Debattesteht. Bereits 1977 fand in Tübingen eine Tagung Wort und Bild der Alter-tums- und Kulturwissenschaften statt, und vor kurzem erschien der umfang-reiche Tagungsband Text und Bild, Bild und Text eines Symposions der

457