Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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,, Industrie".

Handwerkerdidaktik und Lektüre.

Die Literaturform Schauplatz im 18. und 19. Jahrhundert.( 3 Abb.)

Von Rainer Alsheimer

Schwerpunkt volkskundlicher Leser- und Lesestoff- Forschung"ist die Beschreibung der Kulturtechnik Lesen, die von Menschen inder Freizeit freiwillig ausgeübt oder auch nicht ausgeübt wird; alsMentor dieser Forschung ist Rudolf Schenda zu nennen.¹) Trotzauftretender Divergenzen über den regional oder regional- zeitlichvorhandenen Grad der Alphabetisierung und damit der Lesefähig-keit und-bereitschaft der einzelnen Bevölkerungsschichten bestehtim allgemeinen die Übereinstimmung, daß das Lesen per se als nütz-lich für das Individuum anzusehen ist und- differenziert zwar durchdie Qualität des Lesestoffes der gesellschaftlichen Entwicklungder Spezies ,, Homo laborans positive Anstöße vermitteln kann.2)

Der Tradition unseres Faches entsprechend, sind Untersuchun-gen über das Lesen auf dem Lande³), bei Dienstboten*) oder über,, schöne" und triviale Literatur³) vorgelegt worden. Selten und meistknapp wird die Literatur erwähnt, die heute den Namen, Sachbuch"trägt und seit vielen Jahren den Großteil der Ausleihen öffentlicherBibliotheken ausmacht.6)

Auf eine spezielle Gattung der Sachbuchliteratur im 18. und 19.Jahrhundert hat Bernward Deneke wiederholt hingewiesen, ohnejedoch besonderes Interesse bei den Fachkollegen wecken zu kön-nen: die Anleitungsliteratur für Handwerker.) Dies ist bedauerlich,da sich in dieser Literatur in einzigartiger Weise dokumentiert, wiesich Handwerk und Gewerbe zu qualifizieren und neu zu identifizie-ren versuchten und dabei öffentlich beeinflußt wurden durch aufklä-rerische ,, Industrielle", deren Interesse letztlich die Rekrutierungvon geschickten Arbeitern ist.

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