Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
399
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schen Dichtung begegnen wir berühmten Namen wie Wolfram von Eschenbach, Had-laub u. a. Damit weist sich dieses schöne Buch als hoher Kulturträger aus für Genera-tionen, denen mittelalterliche Dichtung kaum mehr oder wenn, dann nur vergällendgeboten wurde. Dem feinsinnigen Werk sei eine weite Verbreitung gewünscht.

Herta Neunteufl

Lea D'Orlandi, Gaetano Perusini, Antichi costumi Friulani. A cura diNovella Cantarutti, Gian Paolo Gri, Pier Giorgio Gri(= Il Biancospino- Collandadi testi e studi etnografici 3). Gorizia, Editrice Goriziana- Societá Filologica Friu-lana, 1988, 265 Seiten, zahlreiche, auch farbige Abbildungen, Schnitte und Zeich-nungen.

Der vortrefflich ausgestattete vorliegende Band über die historischen Trachten Fri-auls ist ein Sammelband und Neudruck von sieben trachtengeschichtlichen Studien,die Lea D'Orlandi zusammen mit Gaetano Perusini in den Jahren zwischen 1939und 1977 verschiedenenorts veröffentlicht hat. Die jetzigen Herausgeber haben sie innotwendigen Fällen revidiert, aber die noch von den Autoren verwendeten, diversesoluzioni organizzative" belassen, allerdings den internen dokumentarischen Apparatweggelassen und nur durch Kurzregesten ersetzt und zwangsläufig auch den ikonogra-phischen Komplex gekürzt, dessen Grundlagen vor allem die volkskundlichen Samm-lungen Perusinis in den Museen von Udine und Tolmezzo bilden. Wertvoll und sehraufschlußreich sind dagegen die biographischen Würdigungen der beiden friulani-schen Trachtenforscher und insbesondere die Vorstellung von Gaetano Perusini( 1910–1977) als wissenschaftliche Persönlichkeit und Professor der, Tradizioni Po-polari all' Università di Trieste durch Carlo Guido Mor( S. 13-16).

Die sieben wiederabgedruckten Beiträge der Genannten sind vor allem kleinräumi-ge Untersuchungen und Darstellungen des traditionellen Bekleidungswesens in derZone von Maniago( 1939), im Cividalese( 1941), im Gebirgsdorf von Forni di Soprader Carnia( 1967), von Asio/ Spilimbergo( 1962/1984), der Stadt Udine( 1966) sowieder historischen Volkstrachten Carniens( 1964) und von Mittelfriaul in der pianura( 1977). In Summe ergeben sich daraus die bisher wichtigsten Unterlagen für das histo-rische Trachten- und Bekleidungswesen Friauls, zumal dem umfassende Archivstu-dien Pernsinis und gute kostümgeschichtliche Erläuterungen und Beschreibungen vonLea D'Orlandi zugrunde liegen, die durch zahlreiche historische Fotos und Farbtafelnvon Museumsmaterial gestützt werden. G. Perusini hat dazu zahlreiche Nachlaẞ- In-ventare vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts herangezogen, die in mehrerenFällen auch dem Inhalt nach zitiert bzw. wiederabgedruckt sind. Die Beiträge begleitetim übrigen ein umfangreicher wissenschaftlicher Apparat und beschließt ein äußerstnützliches Repertorio lessicale, das alle hier vorkommenden Termini des Beklei-dungswesens kurz erläutert und auf deren frühe urkundliche Nennung verweist. Fürdie moderne vergleichende Trachten- und Kleiderforschung und die Kostümgeschich-te Zentraleuropas ist dieser mit spürbarer Sorgfalt betreute Neudruck relativ schwerzugänglicher Untersuchungen aus Friaul ein äußerst hilfreicher und nützlicher Ge-winn, der nicht übersehen werden sollte.

Oskar Moser

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