Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
397
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in der Gruppe Gleichgesinnter sehen..... Vielfach treten dabei noch mehr oder we-niger vage Vorstellungen von einem ehemaligen, lange zurückliegenden Matriarchatauf, das durch diese Kulte wieder neu belebt werden soll."( S. 162.)

Es ist Lichtenberger gelungen, die vielseitigen Züge im Bild und in den Vorstellun-gen von der Hexe aufzuzeigen, und sich nicht auf die meist überbetonten Schadens-kräfte zu beschränken. Und wenn auch in einem Großteil des Sinnzusammenhangseinzelner Sagen wir zahlreiche Parallelen kennen, so sind doch auch Texte darunter,die sonst selten begegnen.

Die Quellennachweise sind in diesem Buch besonders interessant, enthalten siedoch Alter und Beruf jener Erzähler, die mit ihren Geschichten erst unlängst festgehal-ten worden sind.

Leider sind die Einzelanmerkungen sehr knapp. Hier hätte man manches noch er-klären können, was an Vorstellung hinter der jeweiligen Darstellung steht.

Ein Ortsregister schließt den gehaltvollen Band ab.

Felix Karlinger

Arabela Almeida Azang, Mitos, lendas e contos. Manaus, Horizonte E., o.J., 157 Seiten.

Hinsichtlich Südamerikas erlebt man immer wieder Überraschungen. So auch mitdiesem Bändchen, das in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre gedruckt worden seindürfte.

Im simplen Stil und in der holprigen Sprache verrät es die Nähe zum mündlichenErzählen. Das läßt sich auch aus zahlreichen Termini schließen, die in keinem Lexi-kon der brasilianischen Sprache stehen; es handelt sich eben um lokale umgangs-sprachliche Wendungen.

Vom Inhalt her bietet die Broschüre eine bunte Mischung von mythischen Stoffen,Sagen und Märchen. So stößt man etwa zweimal auf Mot. D 1880( Magic rejuvena-tion), einmal an den Rio Negro angelehnt. Oder man begegnet im Untergrund einerGroßstadt jemand, der nach den Pilzen des Glücks" sucht.

Die Geschichten gehören nicht der Literatur an, dazu sind sie zu kunstlos erzählt,und das Wunderbare tritt darin zu spontan und natürlich auf. Man vermag jedoch dieTexte auch nicht unmittelbar der Oraltradition zuzuweisen, denn die Erzählerin reflek-tiert gelegentlich auch über das von ihr Berichtete. Es ist wie ein Weitererzählen auszweiter Hand von jemand, der das Original ernst nimmt. Bei uns wäre dem schwer et-was Vergleichbares an die Seite zu stellen.

Das Ganze wirkt wie das Echo mündlicher Erzählung, das leicht verzerrt durch ei-nen Filter gedrungen ist.

Kein Hinweis kommt dabei zu Hilfe, wo und wann diese Texte lebendig gewesensind oder noch sind.

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