Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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tiert dieser nach einem TV- Film der Serie Ein Jahr in der Eisenzeit angesichts derHilflosigkeit, selbst mit den einfachsten Lebenserfordernissen ohne neuzeitliche Hilfs-mittel fertig zu werden, die klar ausgesprochene Erkenntnis:, Menschen der Eisenzeitzu sein, gelingt uns nicht. Das liegt an uns selbst. Wir werden immer Menschen des20. Jahrhunderts bleiben." Wir, damit meint Ahrens ebenso die Rekonstrukteure undUnternehmer von solchen Anlagen und Veranstaltungen wie nicht minder die unend-lich große Zahl gutgläubig- naiver Besucher und Betrachter derselben.

Doch noch in einem muß man dem Verfasser recht geben, wenn er schon in seinemVorwort zu Beginn zum Ganzen sagt: ,, Da wird plötzlich ein Stück Geschichte der Ar-chäologie selbst unter einem ungewohnten Gesichtswinkel lebendig. Da erhebt sichdie grundsätzliche Frage der Darstellbarkeit von Geschichte überhaupt, prononciertdurch die Konzentration auf einen ziemlich engen Teilbereich. Da stellt sich plötzlichheraus, in welchem Umfange experimentelle Forschung in der Archäologie Platz ge-griffen hat. Da werden diametral entgegengesetzte- subjektive- Auffassungen rekon-struierender Kollegen gegenständlich deutlich. Da stellt sich schließlich auch die Fra-ge nach dem Wert oder Unwert von museumspädagogischen Projekten, nämlich dieVorzeit, lebendig und erlebbar machen zu wollen." Kurzum, diese erste fachlicheBestandsaufnahme von Claus Ahrens sollten nicht nur die Museologen und Fach-freunde zur Hand nehmen und gründlich studieren, sondern es sollten sie die kultur-historisch Interessierten unter unseren Zeitgenossen und vor allem die Entscheidungs-träger im dornigen Dschungel von Absichten, Plänen, Vorhaben und Projekten kost-spieliger Zukunftsträume immer bei sich haben.

Oskar Moser

1) Vgl. Claus Ahrens, Archäologische Rekonstruktionen. In: Festschrift für ArneBerg(= By og Bygd. Norsk Folkemuseum arbok 1987-1988). Oslo 1988, S. 19-49;derselbe, Archäologische Freilichtmuseen. In: Tagungsbericht des Verbandes Euro-päischer Freilichtmuseen 1988, Brienz/ CH( im Druck).

2) Axel Steensberg, Pebringegården.Folk og dagværk fra oldtid til nutid( The Pe-bringe Farm. Daily Life and Farm Folk). Højbjerg, Wormianum, 1986; siehe auch Os-kar Moser in einer Buchanzeige ÖZV XLII/ 91, Heft 3, Wien 1988, S. 328.

3) Vgl. Hermann Dannheimer- Heinz Dopsch, Die Bajuwaren( Von Severin bisTassilo 488-788). Gemeinsame Landesausstellung des Freistaates Bayern und desLandes Salzburg 1988. München und Salzburg 1988, S. 179–184 und S. 174f. bzw.468( Kap. ,, Haus und Siedlung"); dazu vorher Hermann Dannheimer, Auf den Spurender Baiuwaren. Archäologie des frühen Mittelalters in Altbayern: AusgrabungenFunde Befunde. Pfaffenhofen 1987, S. 98-120( Die baiuwarische Siedlung vonKirchheim, Ldkr. München), mit z. T. anderen Lösungsvorschlägen.

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Claude Lecouteux, Philippe Marcq, Les Esprits et le Morts. CroyancesMédiévales. Textes traduits du latin, présentés et commentés(= Collection Essaisnr. 13). Paris, Librairie Honoré Champion, 1990, 225 Seiten.

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