Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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welten"( S. 93/94) die sich äußerlich unterscheidende Kleidung denselben Symbolge-halt hat: sie demonstriert den Müßiggang, den alle drei Gruppen, wenn auch aus unter-schiedlichen Gründen, leben.

Edith Weinlich stellt in einem Zwischenbericht die angestellten theoretischen Über-legungen und ersten Ergebnisse eines Projektes zu ,, einer neueren Kleidungsgeschich-te am Beispiel Wiens" zur Diskussion( S. 213–221). Ein besonderer Schwerpunktliegt auf der Einbeziehung der jeweiligen gesellschaftspolitisch wirksamen Ideolo-gien( S. 218), aus denen die Kleidung ihren zeichenhaften Gehalt bezieht. Weinlichnennt in diesem Zusammenhang u.a. den Austrofaschismus.

Überlegungen zu einer geschlechtsspezifischen Interpretation der Kleidung" stelltElisabeth Katschnig- Fasch( S. 127-140) an; aus dem Blickwinkel volkskundlicherFrauenforschung heraus zeigt sie die Vielschichtigkeit von Kleidungssystemen auf:die in Kleidung manifest werdenden gesellschaftlichen Inszenierungen, durch die dieFrau zum Objekt wird, die ihr auf der anderen Seite aber auch Sicherheit vermitteln,da das ,, Erkennen und Anerkennen von Anordnungen... das Wahrnehmen von Gren-zen, die wiederum Selbstbewußtsein und Souveränität ausmachen( S. 132), impli-ziert.

,, Es erschiene mir wünschenswert, wenn... von dieser Veranstaltung hier in Lienzneue Impulse für die volkskundliche Kleiderforschung, vor allem in Österreich, aus-gingen( S. 76) diesen Wunsch formulierte Margot Schindler in ihren bereits obenzitierten ,, Gedanken". Wenngleich eine Vielzahl der Tagungsbeiträge sich in traditio-nellen, z.T. auch in überholten Bahnen bewegte, lassen die hier ausführlicher vorge-stellten Referate hoffen, daß M. Schindlers Wunsch in Erfüllung geht. Anregungenbietet der Tagungsband genügend.

Gitta B öt h

Claus Ahrens, Wiederaufgebaute Vorze it. Archäologische Freilichtmu-seen in Europa. Neumünster, Karl Wachholtz Verlag, 1990, 200 Seiten, zahlreicheFotos, Pläne und Zeichnungen.

,, Freilichtmuseen sind"- so formuliert der Verf. S. 33 selbst- ,, seit ihrer, Erfin-dung in Skandinavien vor ziemlich genau 100 Jahren eine besonders publikums-freundliche, da leicht faßliche Art der musealen Präsentation." Ihre Zahl sei jüngst al-lein in Europa auf viele hundert angewachsen, wobei zumeist die bäuerliche Kulturvergangener Jahrhunderte mehr oder minder umfassend dargestellt werde. Doch hatman sich darüber hinaus längst auch der Darstellung anderer kulturgeschichtlicher Be-reiche unter freiem Himmel angenommen, etwa solcher städtischer Ensembles, indu-strieller Denkmäler, des Verkehrswesens u. dgl. mehr. Daß für die damit befaßten Mu-seologen daraus vielfältige und keineswegs geringfügige Probleme anstehen, wird janeuestens stark diskutiert. Am sichtbarsten aber zeigt sich diese Problematik dort, woman versucht, Lebensbereiche und die Rekonstruktion des historischen Milieus derVorzeit oder ferner Jahrhunderte zwischen der Steinzeit und dem Mittelalter in ganz-heitlichen Ausschnitten als Bauten und menschliche Wohnungen in Naturgröße wie-

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