Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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,, Heiligenpredigten werden dabei alle Predigten verstanden, die mit der Verehrungeines, Heiligen in Zusammenhang stehen, also auch entsprechend ausgerichtete Ska-pulier-, Primiz- und Profeẞpredigten( S. VII). Die Titel wurden nach ansteigendenJahren geordnet und auch hier durch ausführliche Register erschlossen: 1. Heilige, 2.Bruderschaften und Landsmannschaften, 3. Prediger, 4. Themata, 5. Jubilare, Primizi-anten, Professen usw., 6. Widmungsadressaten, 7. Predigtorte( mit Heiligen), 8.Druck- und Verlagsorte und 9. Drucker und Verleger( S. 663-752).

Allein daraus schon sind die ungewöhnliche Bedeutung und hilfreiche Stellung die-ses Katalogs für uns in der Volkskunde ablesbar. Ein Blick in das Register der reprä-sentierten und in die Lobreden von der Kanzel einbezogenen Heiligen vermittelt be-reits wichtige und z.T. ganz neuartige Einblicke in die populäre Heiligenverehrung in-nerhalb des Barock und im Übergang zur Aufklärung: Domitian von Kärnten wird zuWien in der Jesuitenkirche und( ab 1724) in der Peterskirche als eine ,, Säule des Bau-erntums an seinem Jahrtag Anfang Februar bis 1766 hochgehalten. Auch Tiroler undSteirer haben ihre besonderen Heiligen in Verehrung( Kassian, Vigil, Romedi, Simo-nis und Maxentius oder Aegidi) und der erst spät 1721/1729 kanonisierte österreichi-sche Reichsheilige Johannes von Nepomuk fand ebenso in fast allen Kirchen und Ka-pellen seine bildliche Darstellung, wie er in unzähligen Kanzelreden des 18. Jahrhun-derts um Höheres gerühmt wurde. In ihm zeigt sich bei uns also die volle spätbarockeKultdynamik. Aber auch wer ganz Spezielles sucht, findet hier Hilfe. Ich verweise alsBeispiel nur auf das Motiv vom, Glück- Seeligen Säe- Mann"( nach Matth. 13.3 bzw.Luk. 8, 5-8), das ja gleichnishaft auch bildlich auf Kanzeln dargestellt erscheint undhier mit Predigtbelegen gerade für Kärnten mehrfach ausgewiesen ist( Nr. 60, 772,980 und 1007), und zwar bereits vor der Frühaufklärung seit 1705, während unsereUntersuchungen bisher die Darstellungen des Gleichnisses vom Säemann auf Kanzelnin Kärnten und Steiermark( und Siebenbürgen) erst mit 1740 ansetzen lassen, so daßman den Eindruck von diesem als typische Homiletik gegen die Aufklärung hin denProtestanten gegenüber haben konnte*). Wer so und hier weiterdenkt oder sucht, derwird W. Welzigs Kataloge deutschsprachiger katholischer Heiligenpredigten sowohlin der Fülle der gedruckten Predigtsammlungen wie besonders auch in Einzeldruckenmit Grund und großer Dankbarkeit zu schätzen wissen.

Oskar Moser

*) Vgl. Jakob Neubauer, Die Säemannsdarstellungen auf steirischen Kanzeln. Diss.Graz 1980; Barbara Kienzl, Die barocken Kanzeln in Kärnten: Das Kärntner Landes-archiv 13, Klagenfurt 1986, S. 218-221; dazu Oskar Moser in ÖZV XLI/ 90, Wien1987, S. 182 f.

Klaus Beitl, Olaf Bockhorn( Hrsg.), Kleidung- Mode- Tracht. Referateder Österreichischen Volkskundetagung 1986 in Lienz( Osttirol)(= Buchreihe derÖsterreichischen Zeitschrift für Volkskunde, N.S.7). Wien, Verein für Volkskunde,1987, 314 Seiten, Abb.

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