Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Arne Berg, Norske tømmerhus frå mellomalderen. Band I: All-ment oversyn( Norske Minnesmerker), utgjeve av Riksantikvaren og Norsk Folke-museum. Oslo, Landbruksforlaget, 1989, 287 Seiten, zahlreiche Zeichnungen, Fo-tos und Farbfotos. Ausführliche Zusammenfassungen in Deutsch( von Claus Ah-rens) und Englisch( Patrick Chaffey): Norwegischer Blockbau des MittelaltersNorwegian log buildings of the Middle Ages.

Mit diesen beiden gewichtigen Publikationen wird der modernen Hausforschungnicht nur innerhalb der europäischen Ethnologie eine Welt erschlossen, die mit ihrerfrühen Holzbaukunst seit über einem Jahrhundert lebhaftes Interesse auch in Konti-nentaleuropa fand. Dennoch blieb vieles an Fragen dazu offen und wuchs neu hinzu-kommendes archäologisches Fundmaterial ständig an, so daß die angeführten beidenneuen Werke zumindest aus kontinentaleuropäischer Sicht äußerst zu begrüßen sind,auch wenn deren zeitlicher Abstand und letztlich auch deren Anlaß und Absicht desZustandekommens sowie deren Herausgeber völlig verschieden erscheinen.

Mit seiner Begleitschrift zu einer Sonderausstellung des Helms- Museums in Ham-burg über ,, Frühe Holzkirchen im nördlichen Europa" von 1982 sucht Claus Ahrenssowohl als Hauptautor wie als Herausgeber ein meist nur partiell oder einseitig be-kanntes Sachgebiet und Geschichtsbild neu abzugrenzen und zu vertiefen, wobei er inerhöhtem Maße auch das archäologische Fundmaterial von Holzkirchen aus Konti-nentaleuropa sowie die historischen Quellen dazu heranzieht. Auf diese Weise vermagAhrens eine neue Gesamtübersicht seines Gegenstandes zu erstellen, die einerseits diehistorischen Voraussetzungen durch das frühe Christentum und die wechselvollenVorgänge der Christianisierung der Länder im nördlichen Europa von England bisFinnland und Lappland Glossar ::: zum Glossareintrag  Lappland behandelt, andererseits auf Grund einer kritischen Sichtungder Baubestände und neuerer archäologischer Grabungsfunde die Bauformen selbsterörtert, ausgehend von den dafür verfügbaren Quellen und den feststellbaren Kir-chenbauten und deren erhaltenen Bauformen.

In einem Rückgriff auf die Zimmertechnik der Frühzeit und des Mittelalters unter-scheidet Ahrens allgemein zwischen den Grundbauweisen des Gebindebaus, Rah-menbaus und, Blockbaus mit ihren baustatisch sehr verschiedenen Erfordernissensowohl in der Zurichtung und Setzung der einzelnen Bauhölzer( Pfosten, Schwellhöl-zer, Säulen/ Ständer, Bohlen, Rähme, Füllungen usw.) wie in deren konstruktiver Ver-bindung( S. 119–137). Für den frühen Holzkirchenbau ergeben sich daraus Kirchenim sogenannten, Stabbau" sowie Blockbaukirchen und Erdwandkirchen, deren Archi-tektur anschließend kurz und bis zu den Holzkirchen der Gegenwart besprochen wird.Auch wer an neuzeitlichem und jüngerem Material tradierter Holzbauweisen arbeitet,findet hier wichtige Hinweise auf die tatsächlichen und erstaunlich alten Praktiken indieser Technik, deren Verfahren beim frühgeschichtlichen und mittelalterlichen Zim-mermann sowie dessen erstaunlich geringen Werkzeugbestand er hier zusammenge-faßt findet( S. 136–137).

Zur Vertiefung und Stützung seiner zusammenfassenden Darstellung hat Claus Ah-rens eine Reihe kompetenter europäischer Fachleute gewinnen können, die in 17 wei-teren Einzelbeiträgen die sehr verschiedenen und regionalen Probleme untersuchen,die namentlich den Kirchenbau dieser frühen Jahrhunderte sowie dessen künstlerisch-gestalterische Ausstattung bis hin zu den Saga- Motiven an den verschiedenen Stabkir-

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