chael Haberlandt bezeichnen, dessen erste und einst sensationelle Entdeckungen imPustertal einem wieder bewußt werden, wenn man die großartige Schau der Möbel indiesem Museum betrachtet. Daß Hans Grießmair daneben auch Zeit und Muße fand,seit 1972 die Gesamtredaktion der bekannten und inhaltreichen landeskundlichenZeitschrift ,, Der Schlern" zu übernehmen, zu der er überdies zwei umfangreiche Regi-sterbände schuf, und darüber hinaus auch selbst wissenschaftliche Publikationen wiedie prächtige Studie über„ Knecht und Magd in Südtirol"( Innsbruck 1970) heraus-brachte, spricht für einen erstaunlichen Fleiß und eine sagenhafte Arbeitskraft unseresJubilars. Als ein wahrer Pionier der heutigen Volkskunde in Südtirol und als einer dererfolgreichen Baumeister der Volkskunde Tirols erwarb sich Hans Grießmair von sei-ten unseres Faches in Österreich wie auch der Ethnologia europaea gesamthaft durchsein bisheriges Wirken uneingeschränkte Anerkennung.
Oskar Moser
Tekla Dömötör( 1914–1987)
Tekla Dömötör ist von uns gegangen. Sie ist leise eingeschlafen- nach einer
Operation*)
Schon seit vielen Jahren war Tekla krank, unheilbar krank. Seit sie es wußte, gingsie sehr sorgsam mit der ihr verbleibenden Zeit um und konzentrierte sich vor allemauf ihr wissenschaftliches Werk. Über ihre Sorgen ließ sie uns, ihre Freunde, kaum et-was wissen. Noch im Frühjahr nahm sie an einem internationalen Kongreẞ teil undzum Winteranfang schickte sie ihr neues, ihr letztes Buch all jenen zu, die ihr lieb wa-ren. Sie lud uns ein, und unter dem Vorwand der„ Buchpremiere“ nahm sie von ihrenFreunden Abschied.
Seitdem ich Tekla kannte, lebte sie bewußt, formte sie sich unter nicht geringen per-sönlichen Opfern zielstrebig. Sorgen waren ihr immer bewußt, denn in ihrer Jugendbestimmte mehr der ständige Mangel als glückliche Tage ihr Leben. Philosophie- Leh-rende wollte sie ursprünglich werden, doch lange Zeit mußte sie sich als Angestelltedurchschlagen, gab sie Sprachunterricht, arbeitete als Sekretärin, Stenotypistin oderBibliothekarin. Erst als reifer Mensch wurde sie 1953 Universitätsprofessorin. Nebenall dem nahm sie die Pflichten einer Ehefrau und Mutter auf sich.
Wenn ihr Schicksal auch in solchen Zeiten verlief, als in Ungarn das Wort von derEmanzipation der Frau eher wohlklingende Phrase bedeutete und nicht die Verwirkli-chung vollkommenerer Lebensbedingungen, hatte sie gleichermaßen in manchen an-deren Dingen Glück: In ihren Studienjahren wurde sie von einigen herausragendenProfessoren unterrichtet. So hörte sie die Vorlesungen des Archäologen András Alföl-di und des Religionshistorikers Károly Kerényi, zu dessen„ Jüngern" sie sich zählendurfte. Tekla studierte in Budapest, in Wien, in Paris und in London. Im Grenzbereichzwischen Literatur- und Religionsgeschichte kannte sie sich schon in ihren jüngerenJahren gut aus. Ihr Interesse für die Theatergeschichte, insbesondere für die Geschich-te des Volksschauspiels, entwickelte sich damals ebenso. Ihr Wiener Aufenthalt mag
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