Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
377
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Wir alle gratulieren Walter Hirschberg zu der höchsten volkskundlichen Auszeich-nung, und ich freue mich besonders, als Präsident der Anthropologischen Gesell-schaft, als Rektor der Universität Wien und als sein Schüler und Nachfolger am Lehr-stuhl, diese Glückwünsche überbringen zu dürfen.

Karl R. Wernhart

Laudatio für Hans Grießmair

Die Verleihung der Michael- Haberlandt- Medaille erfolgt an einen Mann, der sichum die Volkskunde Tirols und insbesondere in Südtirol große Verdienste erworbenhat. Dr. phil. Hans Grießmair ist in Kiens im Pustertal 1938 geboren.

Er absolvierte das Stiftsgymnasium zu Neustift bei Brixen und studierte anschlie-Bend das Fach Volkskunde an der Universität Innsbruck. Er promovierte mit seinerDissertation über, Die bäuerlichen Dienstboten im Pustertal" bei Karl Ilg ebenda imJahre 1967 und wirkte zunächst als Universitätsassistent am Institut für Volkskundeder Universität Innsbruck. Aber schon 1968 holte man ihn in seine Südtiroler Heimat,wo er vorerst in stiller, aber unentwegter und früchtereicher organisatorischer und wis-senschaftlicher Arbeit für die Planung, Vorbereitung und den Aufbau eines Volkskun-demuseums für das Land Südtirol wirkte. Seine gediegene und dem bäuerlichen We-sen nächstverwandte Zuverlässigkeit und gründliche Kenntnis seiner Heimat befähig-ten Hans Grießmair in ganz besonderem Maße zu dieser schwierigen Aufgabe, die jaunter den besonderen Verhältnissen seines Landes und der Zeitsituation mit einemBoom nostalgischer Antiquitäten- sucht, die sich auf sein Land stürzte, in allen ihrenSchwierigkeiten gesehen werden muß. Hans Grießmair brachte es noch in den frühen70er Jahren zustande, die nach Standort und Umfang viel diskutierten Pläne zu einemSüdtiroler Volkskundemuseum zu verwirklichen. Er schuf mit geradezu selbstverach-tendem Fleiß und Opfersinn nicht nur die Voraussetzungen, Vorbereitungen und An-fänge dafür, sondern realisierte dieses große und nicht zuletzt auch von entsprechen-den Erwartungen begleitete Vorhaben und baute in Dietenheim bei Bruneck, auf demwunderschönen Sternbachschen Ansitz ,, Mair am Hof, in kurzer Zeit ein durch aus-greifende Freilandanlagen erweitertes Museum auf, das bereits 1976 eröffnet werdenkonnte und heute zu einem Fixpunkt für Besucher des In- und Auslandes geworden istund das- bereichert durch eine Reihe überaus schöner Begleitschriften und Museums-führer- durch die Qualität und die Erschließung seiner Schätze beglückt. Schon 1976wurde Dr. H. Grießmair zum Direktor dieses Landesmuseums für Volkskunde in Süd-

tirol ernannt, wozu ihm 1983 auch die Leitung und Übersiedlung des bekannten Süd-tiroler Weinmuseums sowie weitere gewichtige und schwierige Aufgaben anvertrautwurden. Der Geehrte bewährte sich denn auch auf allen Gebieten der SüdtirolerVolkskultur und hat namentlich für das Bauernhaus, die verschiedenen Wirtschaftsge-bäude, Mühlen und Almgebäude erfolgreiche Sammelarbeit und Rettungsaktionendurchgeführt. Südtirol war immer schon ein Land hoher Wohnkultur, der er in seinemMuseum zugleich mit der Möbelkultur, Volkskunst und den Zeugnissen des religiösenLebens großartige Zeugnisse erstellte. Ja, ich möchte ihn fast und gerade in Verbin-dung mit seiner heutigen Auszeichnung als einen wahren Erben des großen Michael

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