Laudatio für Walter Hirschberg
Heute wird die höchste Fachauszeichnung der Volkskunde, die Haberlandt- Medail-le, dem emeritierten ordentlichen Universitätsprofessor Dr. Walter Hirschberg, einemEthnologen bzw. Kulturanthropologen, verliehen, der stets sehr engen Kontakt zurDisziplin Volkskunde pflegte, sowohl im Bereich des Personalsektors( interimisti-scher Vorstand des Instituts für Volkskunde) als auch in der Fachforschung.
Trifft die Ehrung auch formal einen Fachfremden, so ist bei näherer Betrachtung derzu Ehrende doch ein Insider und der Zunft der Volkskundler zuzurechnen. Es hießeEulen nach Athen tragen, wollte man Walter Hirschberg dem erlesenen Publikum vor-stellen. Richtiger wäre es vielleicht, in abgewandelter Form zu sagen. es hieße Fröschein den Weiher oder Brunnen tragen! Damit sind wir schon bei einer zentralen Aussageangelangt.
In seinem jüngsten Buch„ Frosch und Kröte in Mythos und Brauch“( 1988) gehtWalter Hirschberg in kulturanthropologisch holistischer Sicht dem kulturellen Er-scheinungsbild von Frosch und Kröte nach und hat hiebei nicht nur die antiken Hoch-kulturen und die vielfältige Ausprägung dieses Phänomens weltweit nachgewiesen,sondern auch einen Schwerpunkt dem Erscheinungsbild in der Volkskunde gewidmet.
Geht man an den Anfang der wissenschaftlichen Leistungen Walter Hirschbergs zu-rück, so wurde seine erste Seminararbeit, im Manuskript 1926, veröffentlicht 1928, ei-ner volkskundlichen Thematik gerecht, in der auch der Frosch eine zentrale Stellungeinnimmt. Es war dies die Seminararbeit bei Michael Haberlandt über den„, Liebeszau-ber", eine volkskundliche Skizze. Der„ Zauber“ der Wissenschaft der Ethnographieübte schon damals auf den jungen Wissenschafter einen gewaltigen Einfluß aus, under entdeckte seine Liebe für Volks- und Völkerkunde. Sein vorrangiges Interesse anBiologie, begründet auf Vorlieben aus der Mittelschule, hat sich bis heute erhalten undkommt in seinen Fachpublikationen über Ethnologie und Humanethologie( Verhal-tensforschung) zum Ausdruck.
Der Völkerkundler und Mexikanist Prof. Röck weckte bei dem jungen StudiosusHirschberg im Jahre 1925 Begeisterung für das Studienfach Völkerkunde, das diesembis dahin nur durch Buchpublikationen von Sven Hedin( z.B. Transhimalaya) bekanntwar, und machte ihn auch mit den Zielsetzungen und Aufgaben der Anthropologi-schen Gesellschaft vertraut. Schüchtern fragte der junge Hirschberg den werten Pro-fessor und Museumsdirektor Röck, ob man von diesem Studium auch leben könne.Dieser erwiderte im Brustton der Überzeugung: Lebe ich denn nicht auch? Und somitwar der wissenschaftliche Werdegang Walter Hirschbergs besiegelt. Er wechselte imSommersemester 1925 vom Biologiestudium zur Anthropologie und Ethnologie über,wobei letztere von ihm als Hauptfach belegt wurde. Da zu dieser Zeit auch die Volks-kunde mit eingeschlossen war, besuchte er Lehrveranstaltungen der beiden Haber-landts. Seine Lehrer waren in der Völkerkunde W. Koppers, W. Schmidt, R. v. Heine-Geldern, Fritz Röck und Robert Bleichsteiner, in physischer Anthropologie Otto Re-che und Josef Weninger, in Kulturgeographie Eugen Oberhummer, in der Orientalistik Glossar ::: zum Glossareintrag OrientalistikHüsing, in der Prähistorie Oswald Menghin und in der Ägyptologie und AfrikanistikCzermak.
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