Bildquellen zur Volksfrömmigkeit
( 8 Abbildungen)
Von Elfriede Grabner
I. Der ,, Fastenchristus"Zur Ikonographie und Kulturgeschichteeines seltenen spätmittelalterlichen Mahnbildes
Schon 1956 hat der Schweizer Volkskundler Robert Wildhaberein höchst eigenartiges Bildthema des ausgehenden Mittelalters,den sogenannten„ Feiertagschristus" als ikonographischen Aus-druck der Sonntagsheiligung behandelt und erstmals in einerumfassenden Studie vorgestellt¹. Es ist dies eine bildliche Ausfor-mung, die zu den merkwürdigsten des späten Mittelalters gehört.Sie zeigt den leidenden Christus, umgeben von vielerlei Werkzeugund Gerät, die mit ihren Spitzen nach seinem Körper gerichtet sindund ihn verwunden. Dieser Bildgedanke mit dem von solchenGegenständen Umgebenen soll auf die Frevel gegen die Feiertags-heiligung hinweisen, durch die der Schmerzensmann von den Feier-tagsschändern immer neu und blutig verwundet wird. Bildzeugnissedieser unter der Bezeichnung„ Feiertagschristus“ bekannten Dar-stellung sind über ganz Westeuropa verbreitet, finden sich ebensoin Oberdeutschland und der deutschen Schweiz, im rätoromani-schen Graubünden, in Südtirol, Oberitalien und im slowenischenNachbarlande Krain. In der Steiermark besitzen wir ein sehr frühesZeugnis in der Knappenkirche von Oberzeiring, das erstmals Leo-pold Kretzenbacher² 1956 in zwei Studien bekannt gemacht hat.Aus Kärnten kennen wir bis heute sogar drei solcher Bildzeugnisse,
311