Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
248
Einzelbild herunterladen
 

oder Brauchelemente aus allen Teilen Friauls, wobei insbesondere auf die Kapitelüber den Tod und die Totenbräuche, über die religiöse Volkskunde( ,, Religiositàpopolare", Bd. I, S. 319-410), über den Volksglauben( Credenze, Bd. I,S. 411-573) sowie über die Jahrlaufbräuche zum Mittwinter( Il solstizio d'in-verno", Bd. II, S. 579-660) mit den zahlreichen für diese Region charakteristischenJahresfeuern und zur Fasnacht( Il carnevale, Bd. II, S. 661-740) mit den reichentfalteten Maskenbräuchen hingewiesen sei. Das schöne Werk ist allein in der Dar-stellung der Brauchbefunde und ihrer Dokumentation zweifellos eine hervorragendeLeistung dieses auch mit Österreich seit alters her vielfältig verbundenen Landes,und es ist als ein neues Standardwerk Italiens vor allem auch wichtig für das benach-barte Mitteleuropa.

Oskar Moser

Sigurd Erixon, Offerkast och bjudhammare( Opferwerfen und Einladungs-hammer). Stockholm, Nordiska Museet, 1988, 155 Seiten.

Zum 100. Geburtstag von Sigurd Erixon gab das Nordische Museum( Stockholm)einige seiner heute nur mehr schwer zugänglichen Abhandlungen heraus. Diese ent-halten nicht nur neues Material, sondern beleuchten auch das theoretische DenkenErixons. Im Anschluß an die einleitenden Feststellungen von Åke Hultkrantzmöchte sich der Rezensent auf die Tatsache beschränken, daß Sigurd Erixon nichtnur der Entdecker neuen Materials, sondern auch ein vielseitiger Theoretiker dereuropäischen Volkskunde war.

Es ist nicht leicht, seinem Gedankengang zu folgen, noch seiner ständigen organi-satorischen Tätigkeit. S. Erixon macht uns stets auf die Aktivität des in der Gesell-schaft lebenden Menschen aufmerksam und bringt jede volkskundliche Erscheinungmit dem gesellschaftlichen und psychischen Umfeld in Verbindung. Bei der Erfor-schung des Volkslebens maß er dem Einfluß der Gesetze und behördlichen Verfü-gungen große Bedeutung bei wie auch der Rolle der Gewerbetreibenden und Hand-werker bei der Befriedigung der bäuerlichen Bedürfnisse. S. Erixon stellte die Volks-kultur in das Koordinatensystem der zeit- und raumbedingten sozio- ökonomischenVerhältnisse; er betont die Untersuchung der kleinen Gemeinschaften, der Dörfer,als organische Einheiten sowie die Erforschung der Kontrolle, die die Gemeinschaftauf den Menschen und die Kultur des Dorfes ausübt. Die Arbeiten von S. Erixonwürden eine ganze Bibliothek füllen, für die Volkskulturen Europas war er gleichzei-tig ein B. Malinowski, ein W. Schmidt, ein L. Frobebius und ein A. L. Kroeber.

Dies bestätigen auch seine Abhandlungen, die Bengt af Klintberg mit informati-ven Anmerkungen und bibliographischen Angaben ergänzte. In seiner erstenAbhandlung schreibt S. Erixon von den Hügeln, die am Wegrand durch das Aufein-anderwerfen von Ästen und Steinen entstanden sind. Auch lokale Sagen trugen zurEntstehung solcher Hügel bei. Allerdings gibt es auch Theorien, wonach es möglichwäre, daß die Menschen ursprünglich eine gewisse Strecke des zurückgelegtenWeges mit Steinen, Erdschollen und Ästen abgeschlossen hätten, damit ihnen diebösen Geister nicht weiter folgen könnten( vgl. S. Solheim in Norveg 16, 1973,S. 11-25). Der zweite Aufsatz handelt von den Geselligkeiten der heiratsfähigenBurschen, die wahrscheinlich in den Riten der ehemaligen Burschenweihe verwur-zelt sind, aber auch gewisse prähistorische Merkmale aufweisen.- Es folgen interes-sante Arbeiten über das Brautkleid sowie über die Bräuche der Zimmerleute anläẞ-lich der Fertigstellung des Dachgerüstes- fröhliche Geselligkeiten, die den Frauen

248