Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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die Technik der Seilfertigung sowie den Kundenkreis des Meisters und seine Ver-kaufsmöglichkeiten. Wie in der vorangehenden Abhandlung ist auch hier die Publi-zierung der mundartlichen Eigenarten hervorzuheben. Bemerkenswert ist eineHanfbreche( Abb. 1-3), wie sie in Ungarn nur in deutschen Dörfern und bei Ungarnvorkommt, die in der Nähe deutscher Siedlungen leben. Dieser Typ erscheint im18. Jh. in Holland und sehr bald auch im deutschen Sprachgebiet( L. Szolnoky,Arbeitsgeräte im Wandel. Budapest 1972, S. 61-63, 95). Ein lehrreiches Beispiel fürdie Wanderung der Kulturgüter in östlicher Richtung. Aufschlußreich wäre, meinesErachtens, die Untersuchung des Spleißens, der Verbindung zweier Seilteile, derSpleiẞknoten, von denen manche auf eine lange historische Vergangenheit zurück-blicken können. Statt eines deutschen sei hier ein ungarisches Beispiel erwähnt: EinKnotentyp wird in Ungarn, kumanischer Knoten genannt und ist bei verschiedenentürkischen Völkern bis heute bekannt.

Béla Gunda

Gorazd Makarovič, Stane Mihelič u. a., Der Mensch und die Biene. Die Api-kultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst/ Človek inčebela. Apikultura na Slovenskem v gospodarstvu in ljudski umetnosti. Begleit-veröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volks-kunde in Wien(= Veröffentlichungen des Österreichischen Museums für Volks-kunde XXIV). Ljubljana und Wien 1989, 313 Seiten, 114 Abb., 1 Kt.

Imkerei und Bienenhaltung gehören zu den frühen Produktionszweigen des Men-schen in der Alten Welt, und damit verbinden sich auch entsprechend vielfältige Tra-ditionen in den Beziehungen zwischen Mensch und( Honig-) Biene. Als eine Spezial-kultur im Übergang von der extensiven Waldbienenzucht zur stationären und halb-stationären Imkerei erstreckte sich dieser Sonderzweig seit jeher auf mehr oder min-der breite ländliche Bevölkerungsschichten, blieb aber doch zufolge seiner besonde-ren Voraussetzungen und Betriebsweisen der Allgemeinheit nur von seinen wichti-gen Erzeugnissen Wachs und Honig her besser bewußt und geläufig. NäherenZugang zum Bienenwesen hatte nur der, der sich damit besonders befaßte und näherdarauf einstellte, d. h. der ihm von der Erwerbsimkerei bis hin zur reinen Liebhabe-rei nachging. Diese Sonderstellung der Bienenhaltung hatte leider zur Folge, daßsich in der Volkskunde meist nur Insider näher damit beschäftigt haben, wofür unsMelchior Sooder für die Schweiz und Bruno Schier für Mitteleuropa die besten Bei-spiele bieten.

Nun haben im Jahre 1989 Imkereifachleute und Ethnologen aus Sloweniengemeinsam eine sehr aufwendige Sonderschau zur Apikultur dieses Landes amÖsterreichischen Volkskundemuseum in Wien zusammengestellt und dank derUnterstützung auch zahlreicher offizieller und privater Stellen Jugoslawiens und Slo-weniens diese im vollen Umfang zweisprachige Begleitschrift in Slowenisch undDeutsch verfaßt, die in Laibach/ Ljubljana gedruckt wurde. Es handelt sich um eineSammelschrift mit Beiträgen zur Geschichte der Bienenhaltung und allgemeinenBienenkunde Sloweniens sowie namentlich zur volkskundlichen Seite diesesErwerbszweiges. Hier allerdings treten mehr die äußeren volkskünstlerischenAspekte sowie Bedeutung und Verwendung der Bienenerzeugnisse hervor.

Vor allem sind es die reich und figural bemalten Stirnbrettchen der für ganz Inner-österreich mit Einschluß weiter Teile von Krain charakteristischen liegenden

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