und auf die, welche sie sich anschafften und die sie später ins Selbstverständnis nah-men, dann aber auch wieder verwarfen, weil der Mensch nach Neuem strebt, solangeer lebt.
Oskar Moser
Karl Manherz( Hrsg.), Ungarndeutsches Handwerk. Budapest, Lehrbuch-verlag, 1988, 95 Seiten.
Das Buch enthält zwei Aufsätze, gründliche Beschreibungen von je einer im Aus-sterben begriffenen handwerklichen Tätigkeit.
In dem einen schildert Maria Frey das Steinmetzhandwerk in der OrtschaftNadasch- Mecseknádasd( Komitat Baranya). Hier waren gegen Ende des vergange-nen Jahrhunderts noch zahlreiche deutsche Handwerker tätig, doch ist ihre Zahl bisheute merklich zurückgegangen: Es arbeiten zur Zeit sechs Steinmetze, die haupt-sächlich Grabsteine herstellen, während früher auch die Mühlsteine einen bedeuten-den Teil ihrer Erzeugnisse darstellten. Die Verfasserin meint, das Handwerk habesich in der neuen Wahlheimat der deutschen Siedler entwickelt, wo sie in der Umge-gend entsprechenden Rohstoff, namentlich Sandstein, gefunden hätten. Ende desvergangenen Jahrhunderts wurde Sandstein allerdings auch in Österreich gekauft,vor allem wegen seines hohen Quarzgehaltes. Auch Marmor und schwedischer Gra-nit wurden benützt, doch sind diese heute nur mehr schwer erhältlich:„ Die Stein-metzmeister erhielten und erhalten jährlich nur einige Tafeln von der Landesorgani-sation der Kleingewerbetreibenden“( S. 19). Die Fertigung der Grabsteine verlangteine sorgfältige Arbeit. Unter dem Einfluß von Mode, Verbürgerlichung usw. verän-derten sich die Formen im Lauf der Zeiten. Die eingemeißelten Symbole haben ver-schiedene Bedeutungen; so ist etwa der Stern ein Hinweis auf die Unsterblichkeit,eine Bergmannslampe oder zwei Hämmer stehen als Gedenken an Verstorbene. DerKundenkreis einiger Steinmetze erstreckt sich auf die deutschen Dörfer derKomitate Tolna und Baranya, doch erhalten sie Bestellungen auch aus ungarischenDörfern. Außer dem Grabstein gehören zum Angebot: Hottersteine, Säulensatzel,Sau- und Brunntränken und runde Schleifsteine. Einen besonderen Wert derAbhandlung stellen die hier veröffentlichten Grabinschriften sowie ein Steinmetz-lied dar. Sie stammen noch von den Urgroßvätern der Steinmetzmeister, die dieseselbst dem Gedenken der Verstorbenen gewidmet haben. Die Grabinschriften wer-den des öfteren in Hefte abgeschrieben und vererben sich solcherart vom Vater aufden Sohn. Der Rezensent ist der Ansicht, daß die in den Friedhöfen erhalten geblie-benen Grabsteine aus dem 18. und dem angehenden 19. Jh. als„ geistiges Museum“der deutschen Traditionen anzusehen sind, weshalb die Pflege und Instandhaltungvon ungarischer und deutscher Seite als offizielle Aufgabe zu gelten hätte. Die unga-rischen Grabinschriften sind neueren Datums und dürften gewissermaßen eine fort-schreitende Assimilation dokumentieren. In Siebenbürgen, in der Moldau, in Jugo-slawien und anderen Regionen erscheinen in ungarischen Friedhöfen fremdspra-chige Inschriften auf Grabhölzern und Grabsteinen.
In der zweiten Abhandlung beschreibt Edit Klug die Tätigkeit eines deutschen Sei-lers im Dorf Bootsch- Pócsa. Der Meister wie auch die Einwohner von Bootsch ganzallgemein sprechen eine rhein- fränkische Mundart. Den Hanf kauft er auf Wochen-und Jahrmärkten sowie von den Bauern der Gegend, gewinnt ihn aber auch durchEigenbau. Die Verfasserin beschreibt ausführlich und einleuchtend die Produktion,
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