Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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struktion wie auch in einem auffallend archaisierenden, manchmal sogar gerade rät-selhaften Dekor der Möbel. Besonders bei den Truhenmöbeln ist dies bisher schonin Westfalen wie in Hessen( Odenwald) ebenso aufgefallen wie etwa bei TirolerTruhen aus dem Ötztal und auch sonst vereinzelt etwa in Kärnten. Es kann nichtübersehen werden, daß zu dieser Zeit jedenfalls die Grundlagen für die vielen land-schaftlichen Sonderausformungen des Landmöbels geschaffen worden sind. Wer andiesen Problemen interessiert ist, der wird in dem neuen Werk von Franz C. Lippzahlreiche wertvolle Belege namentlich auch für die Herausbildung der Schrankmö-bel finden.

In einer kurzen Buchbesprechung wäre es schlechterdings unmöglich, auf all diefeinen und wichtigen Eizelheiten der so ungemein vielfältigen Möbelbestände Ober-österreichs einzugehen. Der Verfasser legt damit jedenfalls für Bekanntes wie fürweniger oder kaum Bekanntes einen gesicherten Grund und betont selbst, daß sichdaran manche weiteren und neue Fragen knüpfen lassen. Das gilt insbesondere auchfür das abschließende III. Kapitel seines Werkes, in welchem er auf die Standmöbel( Sitzmöbel, Tische, Wiegen) und auf die sogenannten Kleinmöbel eingeht und ineinem weiteren Abschnitt über Die Sprache der Möbel" gleichsam die Summezieht. Hier stellt er die Möbellandschaften Oberösterreichs einander gegenüber undvermag nicht weniger als siebzig besondere Kleinräume mit eigenen Traditionenfestzuhalten. Er erörtert ferner Folgerungen aus der Streuung bestimmter Werk-stätten und lenkt unseren Blick auch auf das Innere der Möbel mit Beiladen, Bema-lung und der bekannten Ausstattung mit segenweisenden, Truhen- oder Kasten-bildern bezeichnend ist, daß wir hier den großen, in warmen Farben koloriertenHolzschnitten der Bildermanufaktur Antonio Remondinis zu Bassano an der vene-zianischen Terra ferma begegnen. Weitere Details zur frühen Möbelmalerei, zu ein-zelnen Tischler- Persönlichkeiten und schließlich zur Bedeutung der Möbel" rundenden Band ab, dem ein umfangreicher Anmerkungsapparat sowie ein Literaturnach-weis und ein trefflich gearbeitetes Sachwortverzeichnis beigegeben sind.

Franz C. Lipp hat dieses große Standardwerk über das oberösterreichischeBauernmöbel seinem besonderen Förderer, dem Verleger Rudolf Kremayr zugeeig-net. Dem stets wachen künstlerischen Eigenempfinden und-bewußtsein des Verfas-sers wie auch der besonderen Beziehung seines Verlegers zu unserem Gegenstandist es zu verdanken, daß dieses Werk in einer so hervorragenden Ausstattung erschei-nen konnte. Wie manche andere Mithelfer, so hat vor allem Rudolf Kremayr nichtnur eine der schönsten und bedeutendsten Sammlungen oberösterreichischer Bau-ernmöbel zustande gebracht, er hat auch durch Rückerwerbung abgewanderterStücke aus dem Ausland geholfen, wertvolles Kulturgut für Österreich zu erhalten.So präsentiert dieses monumentale Möbelwerk von Franz C. Lipp zum ersten Maleine gesamte Region nach dem derzeitigen Stand der Forschung. Erstmals in diesemUmfang und in dieser Reichhaltigkeit und Großzügigkeit der Ausstattung stellt dieVolkskunde als die für das Bauernmöbel kompetente Fachwissenschaft auch dieUrheber der bislang sogenannten anonymen Volkskunst vor. Werkzeuge desVolksgeistes werden zu lebendigen Menschen mit Herkunft und Namen, die unbe-kümmert um soziale und geistige Fesseln innerhalb einer eigenen existentiellen Engedes Daseins als Kleinhäusler und Bauern ihre bis heute erhaltenen Arbeiten schufen.Was sie zu leisten vermochten, was sie wollten und konnten, weckt unser Staunen.Die umfassend illustrierte Monographie beschreibt und erklärt uns nicht nur dieMöbel, sondern sie geht auch auf die Menschen ein, auf die, die sie hervorbrachten,

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