Als Franz C. Lipp zur Neueröffnung des Linzer Schloßmuseums 1964 eine erstegroßartige Gesamtschau oberösterreichischer Landmöbel darbot und dazu einenvielgerühmten Ausstellungsführer schuf, konnte man bereits ahnen, welche wahrenSchätze oberösterreichischer Volkskunst hier zu heben und zu sichern waren. Daraufaufbauend ist er unablässig weiteren Quellen nachgegangen, trieb die Werkstätten-forschung mit einer Reihe bewährter Mithelfer erfolgreich voran und gelangte so inkontinuierlicher Feldforschung und Sammeltätigkeit zu einem gewaltigen Fundus anMaterial für sein Land, der die Voraussetzung für dieses neue zusammenfassendeDarstellungswerk bildet. In ihm bemüht sich der Verfasser in einem sehr gut lesbarenund annehmlichen Stil," auch eine dem breiteren Publikum verständlicheÜbersicht über die Grundzüge der Möbelgeschichte Oberösterreichs sowie über diebesonderen Ausprägungen des historischen Stiles in den einzelnen Landschaften undWerkstätten zu bieten. Erstmals werden die bekanntgewordenen Werkstätten bzw.Meister, die mit Namen oder Monogrammen signiert haben oder denenbestimmte Möbel zugeschrieben werden können, aufgeführt und behandelt. Aberauch alle bisher noch anonym gebliebenen Werkstätten von Möbeln typischer Prä-gung wurden erfaßt und einbezogen"( S. 9). So ergab sich dem Verfasser ein Über-sichtsbild, das er in sechs spezielle Möbellandschaften zusammenfassen konnte undin seinem zentralen Kapitel II:„ Möbellandschaften und Werkstätten im 18. und 19.Jahrhundert"( S. 76-303) eingehend behandelt. Vorangestellt sind einführende undsehr lesenswerte Abschnitte„ Zur Geschichte der Erforschung des volkstümlichenMöbels in Oberösterreich“( S. 11-13) und„ Zur Terminologie und, Ideologie desMöbels“( S. 14 f.). Sinngemäß folgt Kapitel I„ Von den Frühformen zum Barock",wo die von Franz C. Lipp eigentlich für Oberösterreich erst entdeckten und erforsch-ten Einbaumtruhen, Eckstollentruhen und verwandt konstruierten Frühformenvon Bett und Schrank sowie weitere archaische Elemente im Möbelbau und imMöbeldekor überaus gründlich erörtert werden. Ob die bis ins 16. Jahrhundertzurückführenden sogenannten„ Spreißeltruhen" um Eferding oder in der Viechtaumit ihrem Leistenwerk noch in den Kreis des eigentlichen frühen Stollenbaues derMöbel gehören, ist zu fragen. Die Manier der richtigerweise mit dem Deckenbau inVerbindung gebrachten Vorblendung von vielfältig gegliederten Feldern durch Lei-stenauflagen spricht eigentlich schon sehr deutlich für Einflüsse der Renaissance-tischlerei, die ja jedenfalls bei uns etwa um 1580 auch auf dem Land durchdringt.Gerade dieses Kapitel der Frühformen bei Lipp ist mit seiner Überfülle neuen Mate+rials für die vergleichende Möbelforschung und Entwicklungsgeschichte der Land-möbel ungemein aufschlußreich. Hier wie auch in den folgenden Abschnitten wer-den dank einer vortrefflichen Dokumentation und Wiedergabe der einzelnenObjekte die entscheidende Umstellung der Produzentenkreise für das Möbel imVerlauf des 16. Jahrhunderts ebenso deutlich wie andererseits die darauffolgendeFixierung bestimmter Möbeltypen, die schon vor 1560 einsetzt. Das reiche Material,wie es hier dargeboten und mit aller Sorgfalt besprochen wurde, bietet jedochzugleich auch die Möglichkeit, künftige Fragen der Forschung auf einen gesichertenGrund zu bringen, wie sie neuerdings etwa zur Kleidung, zum Möbel oder auch zurVolkskunst verschiedentlich diskutiert werden. Und möbelgeschichtlich möchteman gerne notieren, daß es sich an den Sachüberlieferungen Oberösterreichs wie-derum recht deutlich zeigt, wie der Übergang im Möbelbau beispielsweise von denspätgotischen oder gotisierenden Ausläufern in der Gestaltung von Truhe undSchrank zunächst um ungefähr 1575 bis 1580 zu einer Art formalen„, Hiatus" geführtzu haben scheint, und zwar sowohl in Bauform( Größen, Proportionen) und Kon-
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