Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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( 1732-1754) und verschiedenen Auflagen von Meyers Konversationslexikon( zuerst1840-1852) beigezogen. Auch wenn manches wichtige zeitgenössische Nachschlage-werk beiseite blieb, ist die Aufgabe der Kommentierung auf der Grundlage derbenutzten Lexika gut gelöst. Defizite werden lediglich dort erkennbar, wo anstellevon Fachveröffentlichungen des 18. und 19. Jahrhunderts moderne wissenschaftlicheSekundärliteratur für Erklärungen benutzt wird; einem höchst komplexen Sachge-biet, wie dem der Farbe, Farbstoffe, läßt sich nicht mit den neueren Übersichtsdar-stellungen beikommen.

Neben den kenntnisreichen Erläuterungen vermittelt die Arbeit durch die ausge-breiteten Quellen sowie durch Erörterungen zu einzelnen dort dokumentiertenSachbereichen mannigfach Einsichten in Weisen der Bedarfsdeckung und des Ver-brauchs in den für die Formierung der modernen Lebenskonditionen entscheiden-den Jahrzehnten um 1800. Wandlungen in den Konsumgewohnheiten( z. B. Tabak,Kaffee), Änderungen in den alltäglichen Verhältnissen aufgrund des Wechsels derallgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Innovationen, zeitgebundenemodische Präferenzen, Aspekte der örtlichen oder überörtlichen Güterversorgungsind gut herausgearbeitet. Es wäre zu wünschen, daß es der Verfasserin gelingenwird, die Quellen deutlicher mit der Alltagswelt im Einzugsgebiet des Kauf- undHandelshauses Hochstetter zu verknüpfen, denn bisher bleiben Faktoren des Umfel-des, wie die Bevölkerungsstrukturen, das Gewerbewesen, doch sehr im Unbestimm-

ten.

Bernward Deneke

Franz C. Lipp, Oberösterreichische Bauernmöbel. Wien, Kremayr& Sche-riau, 1986, 359 Seiten mit 542 meist farbigen Fotos, Zeichnungen und Karten.Der wuchtige und hervorragend ausgestattete Band kann als Lebenswerk, wennauch durchaus nicht als einziges, von Franz C. Lipp betrachtet werden und stelltzugleich wohl den Höhepunkt der Möbelforschung in Österreich dar. Sein gewichti-ger Umfang und sein aufschlußreicher Inhalt beziehen sich auf eine der großen, klas-sischen Möbellandschaften Österreichs, in der neben dem Gebrauchsmöbel vorallem die Ausstattungsmöbel in einer kontinuierlichen und durch Jahrhunderte wäh-renden Tradition zu einer besonderen Blüte gekommen sind, in der die Handwerks-kunst, bäuerliches Selbstbewußtsein und oberschichtliche Einflüsse der Handels-stadt Linz sowie der reichen Klöster und Stifte zu unverwechselbarer Eigenständig-keit und Ausprägung geführt haben. Wenn auf einer der letzten großen Landesaus-stellungen Oberösterreichs im Mühlviertel diesem ländlichen Hausmöbel nur einsehr abschätziger Anblick gewährt wurde, so mußte sich schon angesichts dieses gro-Ben Standardwerkes darüber jeder höchlich verwundern. Die Bauernmöbel Ober-österreichs zeigen selbst dem Außenstehenden und Nichtösterreicher unübersehbarund ähnlich wie die stolzen Vierkanthöfe des Florianer Landes die Eigenart und diehistorische Stilvielfalt, aber eben auch die Kraft im musisch- bildnerischen Ausdruckseiner Menschen. Ihr kultureller Wert kann nur selten woanders in einer solchenSpannweite zwischen den gehackten Truhen mittelalterlicher Art und den nach-barocken Linzer Reiterkästen" ermessen werden, und dies freilich auch nur, weilhier dem Leser und Benützer dieses prächtigen Werkes ein so erfahrener Sammlerund hervorragender Kenner des Möbels zu Gebote steht.

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