Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Der Artikel Tat( t) er- Ta( r) tár verzeichnet Sp. 922 auch die Zusammensetzung Tatermann", u. a. in den Bedeutungen Wasserdämon( 3) und Brunnensäule"( 4), letztere nach einem Beleg aus dem Großarltal in Salzburg, wobei hinzugefügtwird:,...dieses( sei) verallgemeinert nach dem die Brunnensäule schmückendenTatarenkopf". Bezeichnung und Begriff Tattermann haben die Volkskundebekanntlich vor allem in Österreich schon mehrfach beschäftigt, zuletzt unterschei-det A. Haberlandt bedeutungsmäßig zwei ganz verschiedene Dinge: A. im Sinneeiner Brauchgestalt einen Strohpoppanz, welche Benennung zu verdattert gehöre( nach A. Webinger), und B. in Kärnten/ Steiermark für den auf den, datternden( plätschernden) Hausbrunnen aufgesetzten Türkenkopf oder dessen Andeutung*).Das Wort folgt demnach eher dem Verbum tattern"( plätschern) als dem Völkerna-men Tatár", wobei viele ältere urkundliche Belege aus Kärnten seit dem frühen16. Jahrhundert ganz eindeutig auf eine einfache Brunnensäule" hinweisen.Anwendungsbeispiele dieser Art sind jedenfalls weitaus allgemeiner und häufigerund offenbar bei weitem älter als die barocken Brunnentürken, von denen zumindestin Kärnten nur vereinzelte Beispiele nachweisbar sind oder waren.

Oskar Moser

Claudia Selheim, Die Inventare eines süddeutschen Warenlagers zwi-schen 1778 und 1824. Beiträge zur Aufarbeitung einer Realienquelle(= Ver-öffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte 38). Würzburg, BayerischeBlätter für Volkskunde, 1989, 3 ungez. Bl., 346 Seiten.

Der Bedeutung der aus unterschiedlichen Anlässen angelegten Inventare für dieErforschung des Sachguts ist seit dem 19. Jahrhundert sporadisch Aufmerksamkeitzugewendet worden. Das gesteigerte Interesse seit etwa 1970 galt insbesondere denNachlaẞinventaren, wie dies auch die nicht immer zulängliche und zuverlässigeBibliographie von Klaus Roth( 1984) anzeigt. Während die Verzeichnisse von Hin-terlassenschaften vor allem die Sphäre des Gebrauchs von Sachgütern in das Blick-feld rücken, widmet sich die Würzburger Magisterarbeit von Claudia Selheim mitder Bekanntgabe und Kommentierung von Inventaren eines Kauf- und Handelshau-ses stärker auch Aspekten der Güterversorgung bzw. der Güterdistribution in einersüddeutschen Kleinstadt. Die vier in Privatbesitz stehenden Inventare der FirmaHochstetter in Neuenstadt an der Kocher aus den Jahren 1778, 1789, 1822, 1824 sindteilweise bei Geschäftsübergaben entstanden; sie enthalten neben einem beträchtli-chen Fundus an Textilien nebst Knöpfen und Schnallen, dessen Bearbeitung für spä-ter angekündigt wird, vor allem Genußmittel, Gewürze, Heil- und Körperpflegemit-tel, Farbstoffe sowie sonstige Rohmaterialien, Arbeitsgeräte und vorgefertigte Pro-dukte für die Erstellung von Werkstücken, Gebrauchsgüter für die Haushaltung unddie Landwirtschaft, modisches Beiwerk.

Dies breite Spektrum des Warenangebots erschließt sich durch den auszugsweisenAbdruck der Inventare, der rund ein Drittel der vorliegenden Publikation ausmacht,sowie durch eine gründliche, umsichtige Erläuterung zur Beschaffenheit, zur Her-kunft( soweit diese greifbar wird), zu Gebrauchsweisen aller erwähnten Sachgüter.Dafür hat die Verfasserin vornehmlich Lexika zwischen Zedlers Universal- Lexikon

*) Siehe Arthur Haberlandt, Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs. Der andereTeil. Wien( 1959), S. 110.

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