Literatur der Volkskunde
Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich( WBÖ). Heraus-gegeben von der Kommission für Mundartkunde und Namenforschung der Öster-reichischen Akademie der Wissenschaften, 27. Lieferung( 5. Lieferung des 4. Ban-des). Wien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1989.Spalten 769-960( tarkern- tattern).
Noch Ende 1989 ist diese neue, 27. Lieferung des WBÖ erschienen. Wie bishersetzt sie die umfassende lexikalische Aufbereitung des mundartlichen Wortschatzesder bairischen Mundarten Österreichs fort; sie enthält in 191 Spalten des großforma-tigen Werkes die Lemmata ,, tarkern“( klappern) bis„ tattern"( zittern). Wieder wer-den hier eine Reihe von Stichwörtern wortgeschichtlich im umfassendsten Sinne vonder Morphologie bis zur Semantik und den entsprechenden Wortkompositionenbehandelt und vor allem auch Hinweise auf die Etymologie der Wörter nach neue-stem Stand gegeben; freilich gibt es gerade in den Mundarten nicht wenige Fälle, indenen Herkunft und Entstehung gewisser Ausdrücke unbekannt oder fraglich sind.Um so dankbarer wird daher der Benützer des WBO für die historischen Wortbelegesein, die hier vom Mittelalter bis zur Zeitungssprache der Gegenwart eingearbeiteterscheinen. Damit sind dem Kulturhistoriker und nicht zuletzt dem Volkskundlerzugleich wichtige Anhaltspunkte an die Hand gegeben, zumal stets auf die regiona-len Besonderheiten und lokalen Bindungen durch sorgfältige QuellenangabenBedacht genommen ist. Indessen sei vor allem auch auf die zahlreichen parömiologi-schen Beispiele von Aussprüchen, Redensarten und Sprichwörtern hingewiesen, diehier allenthalben aufgenommen wurden und die daher wesentliche Belege zur Volks-sprache und Volksdichtung darstellen.
In der vorliegenden 27. Lieferung des WBO wäre vielleicht noch besonders hinzu-weisen auf Stichwörter, wie„ Tarock“( Kartenspiel),„ Tasche I und II“,„ Tat( e),Tat( t) en"( Nebenfach, Schublade) oder„ Tat( t) er- Ta( r) tár“( Völkername), diewichtige Abklärungen bringen. Andere, wie„ Tartold"( Musikinstrument),„ Tart-sche"( Blessur, Rundschild),„ Tartúffel"( Trüffel- Kartoffel), interessieren hin-sichtlich ihrer unterschiedlichen Herkunft. Nützlich sind auch die Sacherklärungenzu den Kartenspielen„ Tarock"( Sp. 781-788) und„ tarteln, tatteln“( Sp. 791), bear-beitet von Ingeborg Geyer. Den umfangreichsten Artikel stellt die konjunktionalePartikel ,, daß“ mit VI Hauptgruppen von syntaktischen Fügungen, in welchen einegewaltige Fülle an Anwendungsbeispielen eingearbeitet ist.
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