Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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sitätskollegen bilden. Doch er spricht stolz, wenn die Leistung überdurchschnittlichwar, von ,, unserer Frau N." oder, unserem Hern X.". Vielen Schülern hat er die ent-scheidende berufliche Starthilfe gegeben, indem er sich etwa nicht zu schade war, beiTagungen bereits am Frühstückstisch die anwesenden Museumsleute um Stellen undVoluntariate hartnäckig und mit nie erlahmender Wort- und Überzeugungsgewaltanzubetteln. Sie aber fuhren ihrerseits mit den Würzburger Absolventen nichtschlecht, weil man um Brückners Leistungsansprüche weiß und sie in einer Reihevorzüglicher, in den Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte"publizierter Arbeiten dokumentiert findet. Der Standard hat Maßstäbe gesetzt, dieaußerhalb Würzburgs mit Neid, aber auch mit Bewunderung zur Kenntnis genom-men werden.

Brückner aber besitzt die seltene pädagogische Gabe, seine Studenten und Mitar-beiter zur Leistung zu drängen, ohne daß diese es überhaupt merken. In Straßburgstand er einmal anscheinend völlig hilf- und kenntnislos vor dem Figurenschmuckdes Münsters und ließ sich die biblischen Szenen von den Studierenden erklären.Sein ständiges, Ah, ja!" ermunterte uns zum Sehen, ließ in mir allerdings den Ver-dacht entstehen, daß er von kunsthistorischen und ikonograpischen Fragen völligunbeleckt sei und wohl gelegentlich selbst eines einführenden Proseminars bedürfe.Erst später erkannte ich bei ihm, der sein eindrucksvolles kunsthistorisches Wissenin seiner Habilitationsschrift ,, Bildnis und Brauch"( 1966) unter Beweis gestellt unduns das Denken eines Aby Warburg oder Harald Keller nahegebracht hatte, die Tak-tik: Indem er sich selbst und sein immenses Wissen zurückstellte, motivierte er unsund verhalf uns zugleich zu den ersten Erfolgserlebnissen. Ähnlich verfuhr er mitseinen Mitarbeitern: Man war stolz zu hören, daß man am Institut der einzige sei,der sich auskenne und diese oder jene Arbeit kompetent erledigen könne; ob solcherAuszeichnung riẞ man sich sogar die Beine aus. Der Trick war immerhin solangeerfolgreich, bis man mitbekam, daß jeder von uns der einzige, wir also nichtsanderes als eine Gesellschaft von Gleichbegabten waren.

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Aus der Sicht des Schülers drängt sich die Frage auf, ob angesichts der Heteroge-nität oder Vielschichtigkeit der von ihm angeregten und betreuten Arbeiten zwi-schen Sachkultur und Sozialgeschichte, Erzählforschung und Frömmigkeit, zwi-schen Möbeln, Trachten, Fotografien und Volkskünstlerischem von einer Brück-nerschule" gesprochen werden kann. Ich würde hier gerne zwischen Schule und,, Schüler" trennen. Der Begriff Schule hinterläßt den schalen Nachgeschmack desbedingungs- und phantasielosen Nachbetens der Ideen eines großen Guru und dersklavischen Gefolgschaft. Hier aber ist der Spielraum, den Brückner für Kritik auchan seinen eigenen Positionen einräumt, zu groß. Mit seiner Offenheit für konträre-dann jedoch, bitte schön, begründbareAnsichten verhinderte er die Emanzipa-tion nicht durch die Fesseln eines schulischen Dialogs, sondern förderte sie. Ande-rerseits kann ich die Frage, ob er Schüler" hätte, die sich auch als solche fühlen,ohne Zögern und uneingeschränkt bejahen. Er hat sie geprägt, nicht zuletzt mit sei-ner eigenen, fast barocken Begeisterungsfähigkeit, sie zu motivieren vermocht undsie was für mich persönlich viel wichtiger ist- auch nach ihrem Weggang vonWürzburg mit wachem Interesse und mit nie erlahmender Hilfsbereitschaft verfolgt.Schule bedeutet, überspitzt formuliert, die enge, ja engstirnige Indoktrination, dienicht über die Mauern blicken läßt: Schüler hingegen heißt die Gewißheit, immerwieder zu seinem Lehrer zurückkommen und bei ihm auf offene Ohren stoßen zukönnen, heißt ein sehr persönliches Band zu fühlen, das nicht mehr zerreißt, heißt

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