den Holzkohlehändlern und Fuhrwerkern gegenübergestellt werden.„ Die Schindel-macher im Land um den Schneeberg"( 1981) sind einem lokal begrenzten bäuer-lichen Nebenerwerbszweig gewidmet und geben Gelegenheit zu Betrachtungen überdie Verbreitung spezieller Dachformen, Eigenschaften verschiedener Dachkon-struktionen, der Auswahl unterschiedlicher Deckmaterialien sowie Wandlungen inder Volksarchitektur. In einem neuen Buch„ Leitermacher und Gerüster" beschäf-tigt sich Hiltraud Ast mit der Herstellung von Leitern aller Art im niederösterreichi-schen Schneeberggebiet, mit dem Handel der Hausierer vom Leithagebirge und derAnwendung der Leitern im Wiener Gerüstbau. Soeben in Erscheinung ist eineArbeit in Buchform mit dem Titel„ Majolika und Steingut. Von der Habaner-keramik in Niederösterreich zur ersten Steingutfabrik Österreichs in Graz- Karlau",wobei zur Kapitalbeschaffung für die industrielle Geschirrfabrikation einst auch zukriminellen Methoden gegriffen wurde.
Michael Martischnig
Institut für die Erforschung der frühen Neuzeit in Wien gegründet
Die Epoche der frühen Neuzeit ist für die Herausbildung des mitteleuropäischenKultur- und Lebensraumes ebenso von entscheidender Bedeutung wie für die Ent-deckung außereuropäischer Länder. Nicht nur das Werden der Habsburgermonar-chie fällt in den Zeitraum zwischen 1500 und 1750, sondern auch die Umgestaltungreligiöser Verhaltensmuster durch Reformation und Gegenreformation und die Ent-stehung einer politischen Öffentlichkeit durch den Buchdruck, um nur einigewesentliche Beispiele zu nennen. Dennoch scheint dieser Zeitraum in derGeschichtswissenschaft und an den Schulen zu kurz zu kommen, nicht zuletzt aufGrund einer Dominanz der Beschäftigung mit der jüngsten Vergangenheit( derenRelevanz in keiner Weise geleugnet werden soll) und einer mangelnden Koordina-tion der verschiedenartigen Aktivitäten in diesem Bereich.
Aus diesem Grund wurde das Institut für die Erforschung der frühen Neuzeit imHerbst 1989 gegründet und als Verein konstituiert. Dieses Institut ging aus derPrivatinitiative junger Wissenschaftler und Lehrer hervor und setzt sich zum Ziel,ein wissenschaftliches Koordinationszentrum für den mitteleuropäischen Bereich inder Epoche der frühen Neuzeit zu schaffen und die Ergebnisse dieser Zusammenar-beit auch in den Bereich des Unterrichts an den Schulen weiterzuvermitteln. SeineBegründerinnen und Begründer gehen von der Annahme aus, daß es einer solchenInstitution gelingen könnte, auf einem begrenzten Arbeitsgebiet die Schwerfälligkeitund Beschränkungen der Bürokratie zu umgehen und den persönlichen Kontakt undDialog zwischen Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland zu fördern, durch derenZusammenarbeit eine Verbesserung der Forschungslage und des Schulunterrichts zuerwarten ist.
Daneben soll vor allem auch der volkskulturelle Aspekt, den die Forschung West-europas in den letzten Jahren so sehr in den Vordergrund gestellt hat, für den zen-traleuropäischen Bereich neu aufgerollt werden. Gerade in diesem Zusammenhangsind Kooperationen mit der Volkskunde, die ja auch diesen historischen Aspekt stetsberücksichtigt hat, von besonderer Bedeutung. Im Rahmen der Interdisziplinaritätdes Instituts für die Erforschung der frühen Neuzeit wäre hier eine große Chancegegeben, die engen Grenzen fachlicher Festlegungen aufzubrechen bzw. wenigstenszu überschreiten.
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