Verleihung des Österreichischen Museumspreises 1989
an das Waldbauernmuseum Gutenstein, NO.
Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung hat dem Waldbauernmu-seum in der Alten Hofmühle zu Gutenstein den Österreichischen Museumspreis1989 verliehen. Mit dieser Auszeichnung, die erstmals im Jahre 1988 an das MuseumLauriacum in Enns vergeben wurde, sollen u. a. der außergewöhnliche Einsatz derprivaten Gründer, die erfolgreiche Organisation in Betrieb und Führung, diemuseumspädagogische Effektivität, die vollständige Inventarisierung und wissen-schaftliche Aufarbeitung sowie das Bestehen von Begleitveröffentlichungen aner-kannt werden. Die Preisverleihung durch Bundesminister Dr. Erhard Busek fand am4. Mai 1990 im Rahmen einer gutbesuchten Festveranstaltung statt.
Das Spezialmuseum in der Alten Hofmühle ist den holzverarbeitenden Nebener-werbszweigen der Waldbauern im niederösterreichischen Schneeberggebiet gewid-met. Diese museale Einrichtung, für die sich der Name„, Waldbauernmuseum" ein-gebürgert hat, erlebt 1990 bereits seine 26. Sommersaison und zieht mit steigenderTendenz seit Beginn alljährlich 8000 Besucher an. Für ein Museum über ein speziel-les Fachthema, gegründet von privater Initiative und mit kleinstem finanziellen Auf-wand, ist dies ein recht beachtlicher Erfolg, der nach den Methoden fragen läßt, dietrotz minimaler Werbung solches möglich machen.
Das Besondere an diesem weithin bekannten und geradezu zu einer Institutiongewordenen Museum ist u. a., daß sich die Bevölkerung eines weiten Umlandes vonGutenstein damit identifiziert. Dieses Umland ist zugleich das streng begrenzte Sam-melgebiet, aus dem die Objekte stammen. Der Kontakt zu den Leihgebern, Spen-dern und Helfern, die durchwegs dem Bauern-, Handwerker- oder Arbeiterstandangehören, wird aufrechterhalten, indem dieser Personenkreis alljährlich zu einemgemeinsamen Treffen eingeladen wird. Alle zeigen daher mit einem gewissen Stolz,, ihr Museum", an dessen Entstehung und Problemen sie Anteil nehmen, Freundenund Gästen, die sie aus eigenem Antrieb ins Museum führen. Denn in Leben undArbeit der Kohlen- und Kalkbrenner, der Pecher, Korbflechter und Fuhrwerker, derHolz- und Schwemmknechte erkennen auch jene das Schicksal ihrer Vorfahren, dielängst dieser„ unterbäuerlichen Schichte" entwachsen sind und als Nebenerwerbs-landwirte oder in Industrie und Gewerbe ihren Unterhalt verdienen.
Weiters bietet das Museum gute Gelegenheit zu Kontakten zwischen Besuchernund Einheimischen: Der Museumsgast wird von bewußt ausgewählten Führungs-kräften, die selbst ländlichen Kreisen angehören, durch das Haus geleitet. Aus ihrenErklärungen spricht schlichte Authentizität und eigene Erfahrung. Da eine Führungsgruppe durchschnittlich zehn Gäste umfaßt, entfaltet sich stets ein lebendigesZwiegespräch. Auch unter den Zuhörern ergeben sich Dialoge, etwa zwischen Städ-tern und Landbewohnern oder zwischen älteren Menschen, die an ihnen wohlbe-kannte Gegenstände anknüpfen, und jungen Leuten, die, erfüllt von Umweltsorgen,nach neuen Wegen für künftige Lebensgestaltung suchen. Obwohl dabei die häufig-sten Fragen den Wandel von Wirtschaft und Sozialstruktur im Einzugsgebiet desMuseums betreffen, stehen überregionale Agrarpolitik und ökologische Problemederzeit an erster Stelle.
Die persönliche Betreuung durch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen desMuseums umfaßt nicht nur Hinweise und Erklärungen, sondern es wird auch dieBenützung der wichtigsten Geräte vorgeführt. Diese Handhabungen kann der
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