Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Museum für Volkskunde und seinen Mitarbeitern- zu danken, bleibt nur die Bitte,bei kommenden Ausstellungen in ähnlicher Form für die begeisterten kleinen undgrößeren Besucher zu sorgen und mit der Zeit die Kontinuität in der museums-pädagogischen Betreuung und in der Publikumsarbeit zu gewährleisten.

Hadwig Kräutler

Bericht über die Jahrestagung des Arbeitskreises für Hausforschungvom 4. bis 8. September 1989 in Chichester, Sussex

Die Jahrestagung des Arbeitskreises für Hausforschung( AHF) fand 1989 in Chi-chester in Sussex statt. Sie wurde von dem wissenschaftlichen Direktor des, Weald& Downland Open Air Museum" in Singleton nahe Chichester, Richard Harris,einem der besten Kenner der englischen Fachwerksarchitektur, vorzüglich vorberei-tet und geleitet.

Am ersten Abend wurden die Teilnehmer von Barbara Hutton, der Präsidentinder ,, Vernacular Architecture Group( VAG), begrüßt, die daran erinnerte, daß derAHF ein Vorbild für die Gründung der VAG war. Sie beleuchtete die Situation derHausforschung in Großbritannien, an der sich mehrere Disziplinen beteiligen undbedauerte gleichzeitig die mangelnde Hausforscher- Ausbildung auf den BritischenInseln. Ulrich Großmann, Direktor des Weserrenaissance- Museums Schloß Brakein Lemgo( BRD) und Vorsitzender des AHF, begrüßte alle Anwesenden und unter-strich dabei die Bedeutung der Tagungen des AHF für das gegenseitige Kennenler-nen und als Grundlage für weitere Kontakte und internationale Zusammenarbeit aufdem Gebiet der Hausforschung.

Den Einführungsvortrag über Den regionalen Hausbau auf den BritischenInseln" hielt Peter Smith von der Royal Commission on Ancient and HistoricalMonuments in Wales", bekannt u. a. durch sein beeindruckendes Werk ,, Houses ofthe Welsh Countryside, Resultat seiner 15jährigen Beschäftigung mit diesemThema. In seinem Vortrag brachte er einen Überblick über Baumaterialien, Kon-struktionen und Haustypen und ihren Zusammenhang mit topographischen, ökono-mischen, landwirtschaftlichen und geschichtlichen Faktoren.

Am zweiten Tag stand die Besichtigung des Weald& Downland Open AirMuseums" in Singleton auf dem Programm. Dieses 1967 von einer kleinen Gruppevon Enthusiasten gegründete Freilichtmuseum beinhaltet repräsentative Beispielevolkstümlicher Architektur aus Südost- England, einer Landschaft, die geologischund daher auch architektonisch sehr differenziert erscheint. In den Downland-Gebieten waren Feuerstein( flint) und Kalkstein, im Weald- Gebiet Lehm( wealdclay) und Sandstein die wichtigsten traditionellen Baumaterialien. In beiden Land-schaften Downlands und Weald-war der Fachwerkbau verbreitet.

Im Museum kann man derzeit 35 Bauten besichtigen und ebenso viele warten nochauf ihre Aufstellung. Von den Wohnhäusern und-hütten( cottages) möchte ich andieser Stelle nur einige Haustypen erwähnen. Zu den ältesten und einfachsten Bau-ten gehört die Rekonstruktion eines mittelalterlichen, Cottage" aus Hangleton, dieauf archäologische Funde zweier Häuser bei der Ausgrabung des mittelalterlichenDorfes Hangleton bei Brighton zurückgeht. Das Original wurde vermutlich im13. Jahrhundert errichtet und im frühen 15. Jahrhundert aufgelassen. Der einfacheBau aus Feuerstein( flintstone) mit einem Rofendach hat zwei Räume: im

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