Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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,, Süße Künste?"

Museumspädagogisches Projekt im Österreichischen Museum für Volkskunde,, Süß wie Honig, Fleißig wie die Bienen"- sprichwörtlich selbstverständlich,schnell und quasi unreflektiert verwendet, ist die menschliche Beschäftigung mit derBiene und ihren Produkten in den Alltag eingeflossen. Was steckt hinter diesen,, Vorurteilen", welcher Künste" bedarf der Imker, um sich Verdienst und Lebens-grundlage zu schaffen? Welche anderen Berufszweige waren mit seiner Arbeit ver-bunden? Welchen Zweck und welche Bedeutung hatten und haben die Erzeugnisseder Imkerei für die Menschen?

Ein halbes Jahr lang, von Dezember 1989 bis Mai 1990, war das ÖsterreichischeMuseum für Volkskunde mit der slowenischen Ausstellung Der Mensch und dieBiene" Gastgeber für ein Projekt des Museumspädagogischen Dienstes, das vielfäl-tige Aspekte der Apikultur, die hier interdisziplinär vorgestellt wurde, betraf.

Die faszinierende Biologie des Insektenvolkes, das Zusammenspiel und die gegen-seitige Beeinflussung zwischen Bienenhaltung und Arbeits- und Lebensrhythmusdes Imkers, die vom Menschen erfundenen Erleichterungen beginnend mit derZeidlerei- für die Honig- und Wachsgewinnung und die Wertschätzung und Bedeu-tung, die diesen edlen Produkten seit alters her zukommt( z. B. in den in unserenZeiten so zentralen Themen Gesundheits- und Schönheitspflege) wurden anhandvon dreidimensionalen Exponaten, Bildtafeln und Texten dargestellt.

Neben dem zentralen Ausstellungsteil, den kunstvoll bemalten( Bienenstock-)Stirnbrettchen, einer Spezialität aus Slowenien, waren die Entwicklung der Techno-logie der Bienenhaltung, der Geräte des Imkers und die traditionellen Verarbei-tungs- und Gebrauchsformen der Bienenprodukte Wachs und Honig zu sehen.

Klar und freundlich gestaltet, boten die fünf Ausstellungsräume eine leicht faẞ-bare Gliederung der Themen an, die gleichzeitig die Aufteilung der Schwerpunkteder jeweiligen Vermittlungsinhalte festlegte.

Die Bienenbehausungen( Klotz, Korb, Stock), die verschiedenen Arten vonHonigpressen, Weiselzellen, Schwarmlöffel und Traggerüst wurden( als z. T. auchtatsächlich begreifbare Objekte), sehr klar durch die Materialien, die Bearbeitungs-und Verwendungsspuren, Anlaß zu detektivisch- genauem Betrachten und zu Über-legungen zu technologischen Veränderungen und Verbesserungen. Die kostbar ver-zierten Kerzen und Lebkuchenherzen, die( laut Besucher an Spielzeug erinnernden)Votivgaben und deren Herstellung bei Lebzelter und Kerzengießer, ließen nebender Verarbeitung und Verwendung der Bienenprodukte auch deren gesellschaftli-chen Entstehungszusammenhang und ihre Symbolhaftigkeit zum Gesprächsthemawerden.

Gerade in einer Ausstellung mit Objekten, die durch ihren ursprünglich- alltägli-chen Gebrauch und die Handhabung zu Betrachtungsobjekten wurden, wird dieLust anzugreifen, Gewicht, Material und Formgebung sinnlich zu überprüfen, über-deutlich. Natürlich wäre als nachdrücklich erinnerlich das Erfassen durch dietastende Hand ein probates Mittel, das viel intensiver als das schnelle Sehen dieBearbeitung und Beanspruchung der Dinge vermittelt, so wie diese noch in konkre-tem Gebrauch und nicht abstrahiert in der Ausstellungssituation bedeutsam waren.So wurden bei der museumspädagogischen Arbeit mit den Besuchern alle Gele-genheiten der sinnlich- körperhaften Erfahrung möglichst ausgenutzt- Aufmachen,

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