Volkskunde und Personalcomputer
Von Klaus Roth
In ähnlicher Weise wie die Gemeinde als Objekt oder als Feldsoziologischer oder ethnologischer Studien aufgefaßt wird¹, kön-nen wir uns als Volkskundler dem Computer von zwei sehr unter-schiedlichen Seiten nähern: Wir können ihn auffassen als Objektoder aber als Werkzeug und Mittel volkskundlicher Forschung.Während der letztere Zugang uns inzwischen recht vertraut ist, magder Computer als Gegenstand volkskundlicher Forschung vielleichtüberraschend erscheinen. Gemeint ist freilich nicht die volkskund-liche Betrachtung des Gerätes selbst, sondern vielmehr dieBeschäftigung mit den Auswirkungen dieser technischen Innova-tion auf das Alltagsleben, auf die Alltagskultur. Wenn auch im fol-genden der Computer als Werkzeug im Mittelpunkt stehen soll, soseien doch einige Gedanken zu diesem für die Gegenwartsvolks-kunde bald sehr wichtigen Thema an den Anfang gestellt. DerComputer als heute massenhaft produziertes und in vielen Ländernauch massenhaft verbreitetes technisches Gerät hat in nur wenigenJahren weitreichende Auswirkungen auf unser alltägliches Verhal-ten, Handeln und Denken gezeitigt. Lassen wir den Computer alsreines Arbeitsmittel im Büro, in der Fabrik, im Institut in seinentiefgreifenden Auswirkungen auf das Arbeitsleben( und dieGesundheit) einmal beiseite und versuchen, das beschreibend zuumreißen, was wir als„ Computer- Kultur“ bezeichnen könnten.Zumindest drei verschiedene Aspekte lassen sich ausmachen:
1. Von volkskundlichem Interesse sind kulturell und individuellbestimmte Formen des Umgangs mit dem Computer. Das Ver-hältnis zum Computer ist( noch?) durch starke Gegensätze gekenn-zeichnet: Der ablehnenden und oft von Angst vor der unheim-
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